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Die Rückkehr der Schmetterlinge: Österreichs Vision für Biodiversität und nachhaltige Landwirtschaft 2030#

Aufgeflattert, die neue Publikation von Blühendes Österreich und GLOBAL 2000, beschreibt Lösungen gegen das Insektensterben und den drohenden Kollaps der Biodiversität.#

ie Rückkehr der Schmetterlinge: Österreichs Vision für Biodiversität und nachhaltige Landwirtschaft 2030
Video: Blühendes Österreich (25.06.2019)

Wien (OTS) - Zehn renommierte Experten und Expertinnen aus Wissenschaft, Biodiversitäts- und Umweltschutz sowie Landwirtschaft skizzieren eine Vision für die Biodiversitätsentwicklung in Österreich. Der Report entstand unter der Leitung von Peter Huemer, Tiroler Landesmuseen sowie Johannes Rüdisser, Universität Innsbruck.

Der im Mai 2019 veröffentlichte Bericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) warnt vor dem alarmierenden Rückgang der Artenvielfalt. Besonders Schmetterlinge reagieren sensibel auf die Klimaveränderungen sowie Lebensraumverluste. Heute sind durchschnittlich etwa 40 bis 60 % des Artenbestandes der Schmetterlinge in Roten Listen verzeichnet. Schmetterlinge und Insekten erfüllen weitreichende Aufgaben im Ökosystem und ihr Überleben sichert auch das Überleben der Menschen. Insekten und Schmetterlinge bestäuben viele Gemüse- und Obstarten, sind Nahrungsquelle für andere Tiere oder zersetzen das Material verstorbener Lebewesen.

Nach der dreiteiligen Reportserie “Ausgeflattert”, der Publikationen von Blühendes Österreich und GLOBAL 2000 zum Schmetterlingssterben, schreibt der neue Report “Aufgeflattert – Biodiversität in Österreich: eine Vision für 2030” im wahrsten Sinne des Wortes, Geschichte. Er stellt Lösungsansätze und einen Forderungskatalog vor. Die Projektleiter Peter Huemer und Johannes Rüdisser haben sektorübergreifend zehn Persönlichkeiten für den Report ins Boot geholt.

“Innerhalb kürzester Zeit hat sich das Schreckensszenario eines dramatischen Rückganges der Schmetterlinge bzw. der Insektenfauna Österreichs als ein globales Phänomen bestätigt. Unser neuer Report zeigt Dank visionärer fachübergreifender Ansätze von Top-ExpertInnen aus vielen gesellschaftlichen Bereichen, dass es wichtig ist, lokal zu handeln, um den drohenden Kollaps der Biodiversität zu verhindern”, erzählt Schmetterlingsforscher Peter Huemer. Die Vision und die zwölf Forderungen einer breiten Allianz

Expertinnen und Experten unterschiedlicher Disziplinen zeichnen ein Zukunftsbild zur Artenvielfalt in Österreich. Die empfohlenen zwölf Schutzmaßnahmen zum Erhalt der Biodiversität ähneln sich:

  • Anerkennung der Ökosystemleistungen, Ökologisierung der Landwirtschaft bei fairen Preisen für regionale und saisonale Produkte oder dringend notwendige Maßnahmen gegen die Klimakrise, wie zum Beispiel die CO2 Steuer, lassen die Artenvielfalt im kommenden Jahrzehnt wieder aufblühen.
+ Industrielle Landwirtschaft, die Versiegelung der Böden und Billigimporte von Lebensmitteln gehören 2030 der Vergangenheit an. Durch ein Umdenken der Bevölkerung, das besonders in der “Fridays for Future”- Bewegung fußt, finden die heimischen BäuerInnen Rückhalt bei den KonsumentInnen, die nach dem Motto “Die Natur ums Eck” partnerschaftlich zusammenrücken.
  • Dank der vielfältigen Kulturlandschaften genießt Österreich international sein neues Image als Öko-Tourismusregion, weg vom Wintersport - hin zur Sommerfrische. Nicht nur der Mensch fühlt sich von der Vielfalt angezogen: Mit ihr kommen auch die Insekten, allen voran die Schmetterlinge und andere Bestäuber für Kürbis, Apfel, Birne, Marille und Co. zurück.

1Status Quo ist bekannt – Die Zeit läuft

Österreichs führende Klimaexpertin Renate Christ beschreibt im Report „aufgeflattert“ den Zusammenhang zwischen Klimaveränderungen und Biodiversität, und außerdem wie die Zukunft 2030 im Sinne einer klimaschonenden Lebensweise aussehen könnte. Christ stellt der österreichischen Regierung ein schlechtes Zeugnis aus: „Österreich sieht sich gern als Vorreiter oder Umweltmusterland. Nur beim Klimaschutz sind wir meilenweit davon entfernt. Wir müssen zuerst den Anschluss an das Mittelfeld wiederfinden. Dafür sollten wir über die Grenze schauen und von anderen Ländern lernen“, fordert Renate Christ, ehemalige Generalsekretärin des UNO-Weltklimarats auf.

Dominik Linhard, Biologe von GLOBAL 2000, fordert die Umsetzung der im Report genannten Maßnahmen: “Obwohl die Hintergründe und Blickwinkel der Autoren und Autorinnen des Reports recht unterschiedlich sind, stimmen sie bei vielen ihrer zentralen Aussagen überein. Die dringlichsten Maßnahmen, um die gemeinsame Zukunftsvision Realität werden zu lassen, sind also bekannt. Doch die Zeit läuft, deshalb brauchen wir dringend einen umfassenden Aktionsplan für den Artenschutz, der von Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und der Politik getragen wird.“

„Die Zeit der Pilot- und Leuchtturmprojekte ist vorbei. Klimaschutz muss im großen Stil in allen Lebens- und Politikbereichen stattfinden. Das umfasst Energie, Mobilität, Wohnen, Land- und Forstwirtschaft, Produktion und Konsum“, ergänzt Renate Christ, so die ehemalige Generalsekretärin des UNO- Weltklimarats. Faire Preise und eine Landwirtschaft, die sich an Zielen für mehr Biodiversität und Ökologie orientiert

Um die Insekten im Ökosystem wieder zu stärken, wäre die Förderung von Bäuerinnen und Bauern, die ökologisch bewirtschaften, also auf die Natur achten, eine mögliche Lösung. Daniela Braunreiter, aus Micheldorf in Oberösterreich, hat einen Bio-Betrieb mit 22 Kühen und 25 Hektar Fläche sowie 300 Obstbäume in Streuobstkultur. Diese sind Nahrung und Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. „Jede/r LandwirtIn ist auch UnternehmerIn. Ich spüre auf jeden Fall den Mehrwert als Bio-Betrieb in der Geldbörse, da wir hochwertige Produkte zu guten Preisen verkaufen können. So können wir von unserem kleinen Hof gut leben, was als konventionelle/r LandwirtIn nicht möglich wäre“, so Braunreiter. Einen Wunsch an die Politik hat sie jedoch: „Wir würden uns einen Bürokratieabbau oder praxistaugliche Förderungsmaßnahmen wünschen.“ Mit Hilfe von Subventionen könnten es sich Landwirtinnen und Landwirte leisten, Flächen unberührt zu lassen. Eine Maßnahme, die Blühendes Österreich, mit jährlichen Prämien und naturschutzfachlichen Beratungen unterstützt. Aktuell fördert die Stiftung 130 Landwirtinnen und Organisationen in Österreich auf 570 Hektar Fläche beim Erhalt ökologisch wertvoller Flächen.

1Es gibt noch viel zu tun

Andrea Schwarzmann, Bundesbäuerin der ARGE Österreichische Bäuerinnen in der Landwirtschaftskammer Österreich, schildert ihre Vision im Report für 2030. „Die Steuersysteme von 2030 sorgen für mehr Kostenwahrheit. Kosten, die zu Lasten von Natur und Umwelt gingen, wie etwa Transport und Chemie werden konsequent in den Endpreis eingerechnet. So hätte der Wettbewerbsvorteil zulasten von Natur und Umwelt ein Ende.“

Der neue Report schlägt Brücken zwischen Heute und 2030, Theorie und Praxis, Realität und Utopie. „Die Biodiversitäts- und Klimakrise kann nur noch durch ein sektorenübergreifendes und unabdingbares gemeinsames Wollen abgeschwächt werden. Mit Blühendes Österreich haben wir uns vorgenommen, ein Zeichen für dieses Miteinander zu setzen und Brücken zwischen entscheidenden Sektoren zu schaffen. Mein Dank gilt allen ehrenamtlichen Autorinnen und Autoren und den wissenschaftlichen Leitern Peter Huemer und Johannes Rüdisser. Dieser Report steht für die Hoffnung.“, resümiert Ronald Würflinger, Geschäftsführer von Blühendes Österreich. Geballtes Wissen in einem Report – folgende ExpertInnen aus Theorie und Praxis leisteten ihren Beitrag:

  • Peter Huemer (Schmetterlingsforscher, Tiroler Landesmuseen)
  • Johannes Rüdisser (Ökologe, Universität Innsbruck)
  • Renate Christ (UNO Klimabeirat)
  • Erich Tasser (Institut für Alpine Umwelt, EURAC)
  • Andrea Schwarzmann (Bundesbäurin, ARGE Österreichische Bäuerinnen in der LK Österreich)
  • Markus Schermer (Institut für Soziologie, Universität Innsbruck)
  • Ulrike Tappeiner (Institut für Ökologie, Universität Innsbruck)
  • Christian Holler, DI Katharina Varadi-Dianat (ARGE Streuobst)
  • Gábor Wichmann (BirdLife Österreich)
  • Johann G. Zaller (Institut für Zoologie, Universität für Bodenkultur Wien)

Nachhaltige Landwirtschaft aus der Praxis – Persönlichkeiten mit Vorbildcharakter:#

  • Daniela und Josef Braunreiter aus Micheldorf (OÖ, Österreichs schönste Streuobstwiese)
  • Martin Pfeiffer (Die OPST Steiermark)
  • Thomas Schranz (Wanderschäferei Tiroler Oberland)
  • Carmen und Walter Watzl (Biobetrieb und Verein free nature)
  • Ilse Gumprecht und Emanuel Zillner (Weideziegenbetrieb, Hundsheim, NÖ)

Der Report fordert alle auf, zum Schutz unserer Natur aktiv zu werden. Und zeigt auch mögliche Wege dorthin.