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Aprilscherz#

"April, April tut, was er will..." Die Launen des Wetters könnten den 1. April zum Neck- und Scherztag gemacht haben. Der Redensart "in den April schicken" begegnet man 1618 in Bayern. Volkstümliche Erklärungen meinen, dass an diesem Tag Jesus "von Pontius zu Pilatus" geschickt worden sei.  

Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens nennt den 1. April als Narrentag, der nicht nur im deutschen Sprachraum, sondern auch in England, Frankreich, Tschechien, Schweden, Portugal, Litauen, Polen bekannt ist. Vor allem "einfältige Personen" und Kinder wurden in den April geschickt, indem man ihnen Scherzaufträge erteilte oder unwahrscheinliche Geschichten erzählte. Seit Jahren verbreiten Zeitungen und Radiosender Aprilscherze, z.B. Bundestheater würden nach der Zuschauerzahl subventioniert ("Kurier" 1974), "Rote Ferraris für die Feuerwehr" ("Täglich alles" 1994), "Swimmingpool am Wiener Rathausplatz" (Wien aktuell 1999) 2017 meldete Radio Wien die geplante Sitzplatzreservierung in Straßenbahnen. Am 1. April 2018 sollte die eigene Fluglinie einen Lebensmitteldiskonters, "Hofair", starten. Am Tag zuvor schrieb eine Tageszeitung: "In der Ära von Realsatire wird es schwieriger, Spaß von Ernst zu unterscheiden. … Es scheint, als hätte der jahreszeitentypische 'Hoax' Dauersaison. Immer öfter müssen Meldungen mit dem Hinweis 'Kein, Aprilscherz' versehen werden, verknüpft mit dem Gedanken: 'Darf das alles noch wahr sein?' "  

Lügengeschichten werden nicht nur am 1. April verbreitet. Zeitungsenten und Grubenhunde gibt es das ganze Jahr hindurch. Für die Erklärung des Wortes Zeitungsente bestehen drei Versuche: Die Reformatoren warfen den katholischen Priestern vor, von blauen Enten zu predigen. Legenden kritisierten sie als "Lügende" oder "Lugente". Eine französischen Umschreibung für Lüge oder Betrug lautete im 16. Jahrhundert "Vendre un canard a moitié" (Eine halbe Ente für eine ganze verkaufen). Als Kurzform davon bedeutet "Canard" Ente, aber auch Flugblatt, Schnurre und Falschmeldung. Schließlich bezeichneten deutsche Zeitungen unverbürgte Meldungen mit dem Vermerk "n.t." (non testatum), ausgesprochen "Ente". Ein Grubenhund ist eine absichtlich törichte Leserzuschrift, die die Redaktion ungeprüft übernimmt. Sein Erfinder war der Wiener Ingenieur und Schriftsteller Arthur Schütz (1880-1960), der sich 1911 über die "Neue Freie Presse" ärgerte. Nach der Lektüre eines Artikels über ein Erdbeben verfasste er, unter Decknamen, in pseudo-wissenschaftlichem Ton eine - tatsächlich veröffentlichte - Zuschrift mit dem Kernsatz: "Völlig unerklärlich ist jedoch die Erscheinung, dass mein im Laboratorium schlafender Grubenhund schon eine halbe Stunde vor Beginn des Bebens auffallende Zeichen größter Unruhe gab." Schütz verfasste noch weitere Artikel dieser Art und veröffentlichte sie 1931.

Bei der im Frühjahr 2016 durchgeführten IMAS-Umfrage "Traditionen und Bräuche" (Archiv Nr. 016041) gaben 68% an, Aprilscherze zu kennen und 23 %, selbst teilzunehmen.


Quellen:
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens 1927/1987. Bd. 1/Sp. 560 f.
Lutz Röhrich. Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1991. Bd. 1/S. 388
"Der Standard", 4.4.2017, 1.4.2018
"Kurier", 31.3.2018