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Aprilscherz#

"April, April tut, was er will..." Die Launen des Wetters könnten den 1. April zum Neck- und Scherztag gemacht haben. Der Redensart "in den April schicken" begegnet man 1618 in Bayern. Volkstümliche Erklärungen meinen, dass an diesem Tag Jesus "von Pontius zu Pilatus" geschickt worden sei.  

Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens nennt den 1. April als Narrentag, der nicht nur im deutschen Sprachraum, sondern auch in England, Frankreich, Tschechien, Schweden, Portugal, Litauen, Polen bekannt ist. Vor allem "einfältige Personen" und Kinder wurden in den April geschickt, indem man ihnen Scherzaufträge erteilte oder unwahrscheinliche Geschichten erzählte. Seit Jahren verbreiten Zeitungen und Radiosender Aprilscherze, z.B. Bundestheater würden nach der Zuschauerzahl subventioniert ("Kurier" 1974), "Rote Ferraris für die Feuerwehr" ("Täglich alles" 1994), "Swimmingpool am Wiener Rathausplatz" (Wien aktuell 1999) 2019 wollten die Wiener Linien angeblich eigene Spuren für Smartphone-Benützer einrichten. Neben traditionellen Medien kursieren die Scherze auch in sozialen Netzwerken. So versprach die Klima-Aktivistin Greta Thurnberg, ihre Tätigkeit einzustellen. 2018 schrieb eine Tageszeitung: "In der Ära von Realsatire wird es schwieriger, Spaß von Ernst zu unterscheiden. … Es scheint, als hätte der jahreszeitentypische 'Hoax' Dauersaison. Immer öfter müssen Meldungen mit dem Hinweis 'Kein, Aprilscherz' versehen werden, verknüpft mit dem Gedanken: 'Darf das alles noch wahr sein?' "  2020 warf die "Coronakrise" die Frage auf, ob in Zeiten der Pandemie Aprilscherze angemessen wären. Als unangemessener Scherz stellte sich in Leogang (Salzburg) ein gefälschtes Bürgermeister-Schreiben heraus. In dem täuschend echten Brief werden alle Leoganger aufgefordert, zum Coronavirustest zu gehen. Eine Bewohnerin gab an, dies wäre nur für ihre Familie bestimmt gewesen, trotzdem ermittelte die Staatsanwaltschaft.

Lügengeschichten werden nicht nur am 1. April verbreitet. Zeitungsenten und Grubenhunde gibt es das ganze Jahr hindurch. Für die Erklärung des Wortes Zeitungsente bestehen drei Versuche: Die Reformatoren warfen den katholischen Priestern vor, von blauen Enten zu predigen. Legenden kritisierten sie als "Lügende" oder "Lugente". Eine französischen Umschreibung für Lüge oder Betrug lautete im 16. Jahrhundert "Vendre un canard a moitié" (Eine halbe Ente für eine ganze verkaufen). Als Kurzform davon bedeutet "Canard" Ente, aber auch Flugblatt, Schnurre und Falschmeldung. Schließlich bezeichneten deutsche Zeitungen unverbürgte Meldungen mit dem Vermerk "n.t." (non testatum), ausgesprochen "Ente". Ein Grubenhund ist eine absichtlich törichte Leserzuschrift, die die Redaktion ungeprüft übernimmt. Sein Erfinder war der Wiener Ingenieur und Schriftsteller Arthur Schütz (1880-1960), der sich 1911 über die "Neue Freie Presse" ärgerte. Nach der Lektüre eines Artikels über ein Erdbeben verfasste er, unter Decknamen, in pseudo-wissenschaftlichem Ton eine - tatsächlich veröffentlichte - Zuschrift mit dem Kernsatz: "Völlig unerklärlich ist jedoch die Erscheinung, dass mein im Laboratorium schlafender Grubenhund schon eine halbe Stunde vor Beginn des Bebens auffallende Zeichen größter Unruhe gab." Schütz verfasste noch weitere Artikel dieser Art und veröffentlichte sie 1931.


Quellen:
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens 1927/1987. Bd. 1/Sp. 560 f.
Lutz Röhrich. Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1991. Bd. 1/S. 388
"Kurier", 31.3.2018
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