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Theuerdank und der letzte Ritter#

Zum 500. Todestag von Kaiser Maximilian I. widmet Stift Rein den Habsburgern und Maximilians Ritterroman „Theuerdank“ eine Ausstellung.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Theuerdank zeigt seine Geschicklichkeit bei einer Prüfung
Theuerdank zeigt seine Geschicklichkeit bei einer Prüfung
Foto: © STIFT REIN/BRENNER (2)
Theuerdank vertreibt zwei Löwen mit einer Schaufel
Theuerdank vertreibt zwei Löwen mit einer Schaufel
Foto: © STIFT REIN/BRENNER (2)
Stiftsbibliothekar Werner Rinner mit der Originalausgabe des 'Theuerdank' von 1517
Stiftsbibliothekar Werner Rinner mit der Originalausgabe des "Theuerdank" von 1517
Foto: © ENGELE
Porträt Albrecht Dürers von Kaiser Maximilian I.
Porträt Albrecht Dürers von Kaiser Maximilian I., unter PD

Vor 500 Jahren starb Maximilian I. (1459-1519), einer der populärsten habsburgischen Kaiser, der an der Zeitenwende vom Mittelalter zur Renaissance wirkte. Eine Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen erinnert deshalb an den „letzten Ritter“, darunter auch eine kleine Schau in der schönen Bibliothek von Stift Rein. Hier wird eine ganz exklusive Besonderheit gezeigt, nämlich eine Erstausgabe des von Kaiser Maximilian verfassten autobiographischen Ritterromans „Theuerdank“ aus dem Jahr 1517 samt kolorierten Holzschnitten.

Was, ein Kaiser als Romanautor? Klingt überraschend, ist es aber nicht. Denn Maximilian war am Puls seiner Zeit und hat ganz bewusst - wie Martn Luther - die neuen Medien, wie Buchdruck und Flugzettel, eingesetzt, um im Volk präsent zu sein. Er wollte das Bild, das er in der Öffentlichkeit hatte, selbst prägen, sozusagen „Message Control“ ausüben, berichtet der Reiner Bibliothekar Werner Rinner. Aber das kennen wir ja auch von heutigen Politikern. Also ließ Maximilian sich auf Flugzetteln als „Hercules Germanicus“, als energischer Herrscher, darstellen, verfasste den unveröffentlichten Roman „Weißkunig“ über seine Kindheit und Jugend (die er zum Teil in Graz verbracht hatte), und als späte Fortsetzung seine Brautfahrt zu Maria von Burgund, den „Theuerdank“. Unter diesem Titel erschien 1517 in Nürnberg ein kunstvoller Pergamentdruck mit 118 handkolorierten Holzschnitten in einer Auflage von 40 Exemplaren, der zu den prachtvollsten Drucken aus der Frühphase des Buchdrucks zählt. Diese Ausgabe war für die Fürsten des Reiches gedacht, für das wohlhabende Bürgertum entstanden 300 Exemplare in Papierdruck, die ohne Farbabbildungen auskommen mussten.

In diesem klassischen Schlüsselroman beschreibt Maximilian bzw. sein Geheimschreiber Marx Treitzsaurwein die Brautfahrt des Habsburgers zu Maria von Burgund. Die Verse setzte Melchior Pfintzing, Geistlicher und Mitglied des Hofstaats, der auch als Herausgeber fungierte. Als Versepos in 118 Kapiteln zu lesen sind hier die Abenteuer, Gefahren und Prüfungen, die der 18-jährige Ritter Theuerdank ( = der an Wichtiges denkt, also Maximilian) mit seinem treuen Begleiter Ernhold auf ihrer Reise zu Fräulein Ernreich (Maria von Burgund) zu bewältigen haben. Unterwegs begegnen ihnen die drei Figuren Fürwittig, Unfalo und Neidelhart, die mit allen Mitteln versuchen, die angestrebte Hochzeit mit der reichen Prinzessin zu verhindern. Ihre sprechenden Namen deuten bereits an, wie sie Theuerdank in Gefahr bringen wollen: Fürwittig versucht den Ritter zu übermütigen Abenteuern zu überreden, Unfalo möchte ihm absichtlich Schaden zufügen und Neidelhart bekämpft Theuerdank aus Neid und Missgunst. Aber der Held entkommt allen Gefahren und bleibt schlussendlich siegreich, während die drei Widersacher zum Tode verurteilt werden. Theuerdank erreicht seine Braut Ernreich und verlobt sich mit ihr. Bevor die Hochzeitsglocken aber läuten, muss er noch ins Heilige Land ziehen, um weitere Abenteuer zu bestehen...

Allen Ausgaben des Buches war eine Liste beigelegt, aus der ersichtlich war, wer die realen Vorbilder der Romanfiguren sind. Hinter dem Namen Theuerdank findet sich die Abkürzung K.M.E.Z.O.V.B. (Kaiser Maximilian Erzherzog Zu Österreich Vnd Burgund) sowie hinter Ernreich der Code H.M.V.B. (Herzogin Maria Von Burgund).

Besichtigungen der Ausstellung in Stift Rein sind nur mit Führungen möglich, die täglich ohne Anmeldung um 10.30 Uhr und 13.30 Uhr bis 6. Jänner 2020 stattfinden. Infos zu Spezial- und Gruppenführungen und über das Stift: www.stift-rein.at



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele