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Preßwürste. Wenn ein geschlachtetes Schwein geputzt ist, wird der
Kopf mit der Haut abgeschnitten und in einige Theile zerlegt. Diese gibt man
in heißes Wasser und kocht sie nicht ganz weich. Ans dem Sude genommen,
löst man die Beine aus und schneidet den Speck weg, Fleisch und Haut wie
kurze recht dicke Nudeln. Dazu gibt mau dann Salz, Pfeffer, Ncugewürz und
etwas Majoran, so viel von der Suppe, daß es saftig ist. (Zum Kopfe eines
erwachsenen Schweines ungefähr 1 Maß.) Mai» füllt dies in den sogenannten
Bodcnsack (vom Ochsen). Auf der offenen Seite steckt man nach dem Füllen
einen Holzspieß durch und verbindet ihn recht fest. Wenn man das Eingefüllte
schön gleich vertheilt hat, werden anch in der Mitte 2 Holzspieße durchgesteckt,
um es zu unterbinden, damit 2 Würste werden, die man dann auseinander
schneidet.
Nun kocht man die Würste in der Kopssuppc 1 Stuiide lang. Es darf
aber nie aufwallen; um es zu dämpfen, schüttet man kaltes Wasser dazu. Man
sticht sie dabei öfters mit einem gespitzten Hölzchen an, damit die Luft heraus
kann. Sie werden dann zwischen zwei Brettern mit Steinen beschwert, wo
man sie abermals ansticht. Sie müssen aber mir allmälig mehr beschwert
werden, damit sie nicht springen. So läßt man sie 24 Stunden,, dann hängt
man sie 4 Tage in Rauch und zuletzt in die Luft. Sie halten sich
Monate lang.
Ueber das Zufnttern (Masten) des Geflügels.
-1 Im Allgemeinen ist dabei wichtig ein ruhiger reinlich gehaltener, etwas
dunkler, aber nicht dumpfigerOrt, uud daß die Thiere wenig oder keine Bewegung
machen können, nebst reichlicher, abwechselnder mehliger Nahrung, und daß
mau sie absticht, wenn sie fett sind, sonst nehmen sie wieder ab. Von Milch
zum Saufen wird das Fleisch weiß und zart.
Junge Hühner Werden nicht zu viele beisammen in Steigen ge-
sperrt, unter welchen man Sand u. dgl. aufstreut, daß mau den Ort leicht
reinigen kann. Zum Fressen gibt man ihnen nebst Bauweizen mit Milch be-
feuchtete Eemmclbrösel oder türkischen Sterz oder zerbröselten Topfen.
Zum Trinken Milch und -in ein anderes Geschirr Wasser, in welches
man Kiessand und ein Stückchen altes Eisen gibt und es fleißig erneuert.
Kapaunen. Wie die Hühner nnd nebst den genannten Gegenstan»
vrn M man ihnen Gerste, türkischen Weihen und läßt dieses Getreide mit
heißem Wasser anschwellen, wo man es anch salzt und den Fleischschaum dar-
auf geben kann.
de gibt
änse mästet man meistens in einem sogenannten Gänsestitze, wo sie
zum Stehen und Sitzen gerade Platz nud hinter sich ein Loch haben, dnrch
welches der Mist fällt, und vor ihnen ist eine Oeffnnng, durch welche sie den
Kopf stecken
und zu dem Freß- und Saufnapf gelangen können. Dieser Stitz
muß an einem ruhigen Orte stehen, daß sie von andern Thieren nicht belästigt
Werden, und wenn mehrere in der Mast sind, müssen sie auch zwischen sich dnrch
Bretter geschieden sein, um einander nicht zu sehen.
I n den Saufnapf gebe man oft frisches Wasser, Kieselsteinchcn nnd altes
Eisen, und zum Fressen abwechselnd Hafer, Gerste, Erbsen, türkischen und
Bauweizen, alles 24 Stunden gequellt, gekochte Erdäpfel mit Gerstenschrot ver-
Die Süddeutsche Küche
auf ihrem gegenwärtigen Standpunkte
- Titel
- Die Süddeutsche Küche
- Untertitel
- auf ihrem gegenwärtigen Standpunkte
- Autor
- Katharina Prato
- Verlag
- U. Leykam's Erben
- Ort
- Graz
- Datum
- 1858
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 37.2 x 65.9 cm
- Seiten
- 350
- Schlagwörter
- Kochbücher, Kochen, Rezepte
- Kategorie
- Küche und Garten