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42 | Ständestaat und Rotes Wien
und Hans Jaksch145 vergeben wurde. Das Bauprojekt wurde gezielt von der konservativen
Bundesregierung unterstützt, um im Zentrum des Roten Wien einen symbolischen Kont-
rapunkt zum Wohnbauprogramm der sozialdemokratischen Gemeinde setzen zu können.146
Das sachlich gestaltete Gebäude war 1932 nach der geringen Bauzeit von 450 Arbeits-
tagen bezugsfertig. Nur das Hochhaus selbst wurde in Stahlrippenbauweise ausgeführt,
der Rest in traditioneller Ziegelbauweise. Insgesamt enthielt das Gebäude 225 Wohnungen,
wobei die Hälfte davon sogenannte Ledigenwohnungen waren. Die Besonderheit des
Gebäudes liegt nach Meder und Eiblmayer in der Ausführung des 15-stöckigen Hoch-
hausturmes, der ab dem elften Stockwerk terrassenartig zurückgestuft ist: einserseits, um
den Lichteinfall nach der Bauordnung zu gewährleisten, andererseits, um das Hochhaus
nur von wenigen Punkten in der Stadt als solches sichtbar zu machen.147
Neben der Errichtung des Wohnhochhauses und anderer Geschossbauten versuchte
die konservative Bundesregierung, innerhalb der Wohnbauförderung den Einfamilien- und
Mehrfamilienhausbau im Eigentum anzukurbeln.148
Bis 1931 konnten durch die Bundesförderung rund 5.000 Wohnungen gebaut werden.
Sie wurde jedoch schon 1932 aufgrund von Ineffizienz und der allgemeinen Wirtschafts-
krise, zum Missfallen der Industrie und konservativer Wirtschaftskreise,149 wieder eingestellt.
Das Bundesamt für Wohnbauförderung (BWF) wurde unter einem neuen Leiter, Heinrich
Zichardt, mit dem Bundes- Wohn- und Siedlungsfonds zusammengelegt.150
Die private Bautätigkeit im Österreich der Zwischenkriegszeit beschränkte sich vor-
wiegend auf den Flachbau,151 sowie wenige Luxus- und Zweckbauten. Die Hauptlast des
Wohnungsbaus in Wien trugen gemeinnützige Bauvereinigungen und die Gemeinde.152
Von 1926 bis 1934 wurden im Gegensatz zu den rund 64.000 Wohnungen der Gemeinde
Wien nur 9.212 Wohnungen durch private Bautätigkeit gebaut.153
bot, die Zusage erhielt. Theiss hatte in seiner Stellung als Präsident der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs
ebenfalls an der Novellierung der Bauordnung für Wien 1930 mitgearbeitet, die die Gemeinde auch für die Errichtung
eigener Hochhausprojekte ausgestaltete. Er war außerdem im Kuratorium der Wohnbauförderung tätig, vgl.: Iris Meder,
Judith Eiblmayr, Haus Hoch – Das Hochhaus Herrengasse und seine berühmten Bewohner, Wien, 2009, S. 35, 60 f.
145 Jaksch war im Ständestaat von 1936 bis 1938 Präsident der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs, vgl.: Ebd.,
S. 158.
146 Ebd., S. 56.
147 Ebd., S. 65, 68, 88.
148 Friedrich Wiser, Hanns Weeh, Unser Eigenheim – Im Auftrage des Vereins für Wohnbauförderung, Wien, 1930, S. 159 f.
149 Diese forderten 1933 einen erweiterten Abbau des Mieterschutzes. Die Baufähigkeit des Privatkapitals sollte durch
eine Neuumverteilung des Steuergeldes wiederbelebt werden. MieterInnen würden in den privaten Bauten nur um 15 %
mehr Miete bezahlen, dafür könne das Steuergeld frei zirkulieren und würde nicht vom kommunalen Wohnbau ver-
schlungen, vgl.: Otto Phillip, Die Wiederherstellung der privaten Wohnbautätigkeit, Wien, 1933, S. 7, 28 f.
150 Bonczak, Wohnungsfürsorge, 1947, S. 193.
151 Braumann, Stadtplanung, 1986, S. 5.
152 Bonczak, Wohnungsfürsorge, 1947, S. 193.
153 Bauböck, Wohnungspolitik, 1979, S. 152.
Open Access © 2017 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Wien Köln Weimar
Das Schwarze Wien
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Title
- Das Schwarze Wien
- Subtitle
- Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Author
- Andreas Suttner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien - Köln - Weimar
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20292-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 296
- Categories
- Geschichte Nach 1918