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Nach 1918
Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
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52 | Wien im Ständestaat terschaft wurden vom Regime 1934 sogar Postkarten der im Bürgerkrieg beschossenen Gemeindebauten via Flugzeug über Wien abgeworfen.41 Die Gemeindebauten blieben, trotz einiger Stimmen aus dem konservativen Lager zu deren Rückbau, weiterhin in ihrer bisherigen Form bestehen. Nur die Umbenennung der Höfe sollte ab dem 17. Februar 1934 durch eine eigens gegründete Kommission vorge- nommen werden. Erst 1935/36 wurde mit dieser symbolischen Geste begonnen. Bis dahin war nur der Karl-Marx-Hof in Heiligenstätter-Hof und der Giacomo-Matteotti-Hof in Giulio- Giordani-Hof42 umbenannt worden. Weitere Umbenennungen wurden äußerst unsyste- matisch durchgeführt. Schmitz beließ zudem einige Namen austromarxistischer Politiker zur politischen Befriedigung der Arbeiterschaft bestehen, beispielsweise den Jakob-Reumann- Hof.43 2.1.1.4 Internationale Verflechtungen des ständestaatlichen Städtebaus In den 1930er Jahren konnten sich städtebauliche und -planerische Ideen in den unter- schiedlichen politischen Systemen der Zwischenkriegszeit etablieren. Insbesondere die Weltwirtschaftskrise 1929 und das Aufkommen diktatorischer Systeme beeinflussten den europäischen Städtebau nachhaltig. Der diktatorische Städtebau in Italien, Deutschland und der Sowjetunion diente vor allem der Legitimation und Repräsentation von Herrschaft. Er wies eine große Affinität zum Städtebau absolutistischer Prägung auf, schöpfte aber auch aus Beispielen republikanischer Systeme, die dessen politische und gesellschaftliche Anliegen weitgehend transportierten, wie etwa dem Umbau von Washington Anfang des 20. Jahrhunderts. Die diktatorischen Systeme ließen zudem die städtebaulichen Errungenschaften der politischen Konkurrenz- systeme in ihre eigenen Projekte einfließen.44 Laut Bodenschatz spiegelte der Städtebau in den Diktaturen zentrale Anliegen wider. Einerseits eine historisch-politische Absicherung durch die Verklärung der Vergangenheit, andererseits die Vorspiegelung einer besseren Zukunft. Neben zahlreichen Modellen und Plänen übernahmen wenige Schlüsselprojekte die Aufgabe, diese Zukunft erlebbar zu machen und durch schnelles Handeln Tatkraft gegenüber der nahen demokratischen Ver- gangenheit zu zeigen.45 Die vom Staat durchgeführten Baumaßnahmen erforderten neu- artige Konzepte der Planung, Lenkung, Beschaffung der Ressourcen und Realisierung, setzen also insgesamt eine Neuordnung der Verwaltung voraus.46 Dabei wurde, entgegen 41 Maderthaner, 1860 bis 1945, in: Csendes, Opll (Hg.), Wien, Bd. 3: 1790 bis zur Gegenwart, 2006, S. 461. 42 Damit wurde der Namen des 1924 ermordeten italienischen Sozialistenführers Giacomo Matteotti gegen den des 1920 erschossenen italienischen Faschisten Giulio Giordani ausgetauscht. Hans und Rudolf Hautmann sehen darin „eindeu- tig eine liebesdienerische Geste gegenüber Mussolini, dem „Schirmherrn“ des Ständestaates.“, vgl.: Hautmann, Haut- mann, Gemeindebauten, 1980, S. 174. 43 Ebd., S. 174–178. 44 Bodenschatz, Diktatur, in: Czech, Doll (Hg.), Propaganda, Ausstellungskatalog, 2007, S. 58. 45 Ebd., S. 48. 46 Ebd., S. 60. Open Access © 2017 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Wien Köln Weimar
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Das Schwarze Wien Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Title
Das Schwarze Wien
Subtitle
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Author
Andreas Suttner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien - Köln - Weimar
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20292-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
296
Categories
Geschichte Nach 1918
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