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Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
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Geschosswohnungsbau im Ständestaat | 103 präsent zu bleiben, war das 1935 im nationalsozialistischen Deutschland bereits nicht mehr möglich.367 Mit der Anpassung an deutsche Reglements 1938 durften jüdische Architekten und BauwerberInnen keine neuen Bauten errichten. Wenn sie ihre Ansuchen beispielsweise innerhalb des Bundesgesetzes über die Förderung der Errichtung von Wohnhäusern von 1938 noch vor dem Anschluss eingereicht hatten, war es ihnen unter kommissarischer Leitung und Arisierung erlaubt, diese fertig zu stellen.368 Überhaupt sollten der Architektenschaft, laut Österreichischem Ingenieur- und Architekten- Verein, im Ständestaat Führungsaufgaben zugedacht werden. Der Verein strebte dafür eine Eingliederung in den Kulturrat oder Wirtschaftsrat an.369 In Anlehnung an die Aussage Benito Mussolinis, dass sie führende Rollen in der europäischen Wirtschaft einnehmen sollten, wurden sie auch vom autoritären Regime in Österreich aufgrund ihrer idealistischen und realistischen Erziehung zum Problemlöser für die Wirtschaftskrise stilisiert.370 Die Son- derstellung der Architektenschaft wurde 1937 mittels Trennung zwischen Bauberatung und Bauausführung durch eine Verordnung im österreichischen Bundesgesetz371 festge- schrieben. Sie waren damit Planverfasser, Bauaufsicht und Bauausführende. Der Bauge- werbetreibende372 sollte hingegen nur mehr ausführendes Organ sein.373 Trotz dieser Sonderstellung innerhalb des politischen Systems zeigten sich auch offene Brüche mit dem Dollfuß-/Schuschnigg-Regime. Beispielsweise entzündete sich der Zorn der Architektenschaft an der rigiden Assanierungspolitik in der Wiener Innenstadt.374 Neben Josef Hoffmann, Max Fellerer, Robert Oerley, Oswald Haerdtl und Franz Schuster nahmen rund 20.000 WienerInnen an der Protestaktion gegen Bauspekulation Rettung des alten Wien teil. Diese richtete sich vor allem gegen die Assanierung der Wollzeile und forderte im Sinne des Denkmalschutzes eine Änderung des Bebauungsplanes.375 Stadt- baudirektor Musil griff im November 1937, auf Wunsch von Richard Schmitz, den Vorschlag der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs auf, den Generalsanierungsplan aus dem Jahr 1892 dahingehend zu überarbeiten. Die Zentralstelle für Denkmalschutz sollte dabei die historische Bausubstanz, trotz der selbst gewählten Rolle des Bürgermeisters Schmitz als Erneuerer von Wien, vor zu weit gehenden Eingriffen schützen. Er regte dafür die 367 Prokop, Zum jüdischen Erbe, 2016, S. 144 f. 368 Akt: Wohnbauförderung; Behandlung jüdischer Bauwerber, 9. April 1938, in: AdR BMfsV 1, 7. BWSA, Schachtel: 2405. 369 Carl Grünhut-Bartoletti, Der Ingenieur im Ständestaat, Wien, 1934, S. 21. 370 Ebd., S. 5 f. 371 Verordnung des Bundesministers für Handel und Verkehr über die Abänderung der Verordnung, betreffend die Zivil- techniker, RGBl. Nr. 77/1913, in der derzeit geltenden Fassung, in: Bundesgesetzblatt für den Bundesstaat Österreich, 02.03.1937, Stück 17, Nr. 61, S. 297–304. 372 Damit wurde die Forderung der Architektenschaft von 1935 erfüllt, wonach Baumeister einem Planungsverbot unter- liegen sollten, einerseits aufgrund fehlender Ausbildung, andererseits wegen eines konstatierten Interessenkonfliktes zwischen Kontrolle und Ausführung des Baus, vgl.: Mistelbauer, Wohnbau, 2016, Diplomarbeit, S. 35. 373 Heinrich Pawlik, Otto R. Hellwig (Hg.), Das Kleinwohnungshaus – Ratschläge und technische Richtlinien im Sinne des Gesetzes betreffend die Förderung der Errichtung von Kleinwohnungshäusern, Wien, 1937, S. 45. 374 Prokop, Rudolf Perco, 2001, S. 335. 375 Posch, Gartenstadtbewegung, 1981, S. 96, 98.
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Das Schwarze Wien Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Title
Das Schwarze Wien
Subtitle
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Author
Andreas Suttner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien - Köln - Weimar
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20292-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
296
Categories
Geschichte Nach 1918
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