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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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war, fand auch den Weg ins Radio. Als Hörspiel brachte der amerikanische Besat- zungssender „Rot-Weiß-Rot“ eine Bearbeitung unter dem Titel „Romeo und Julia in Wien 1954“.37 Auch eine Verfilmung aus dem Jahre 1956, für deren Regie Rudolf Jugert verantwortlich zeichnete, brachte den Stoff einem breiteren Pub- likum zur Kenntnis. Allerdings wurde der Titel geändert und auch das Ende, denn Nina sollte, wie Die österreichische Filmillustrierte berichtete, kein politischer Film werden. ‚Nina‘ ist eine Liebesgeschichte, die lediglich durch politische Umstände kompliziert wird. So einfach, wie es sein sollte, wenn zwei Menschen füreinander bestimmt sind, kommen nämlich die russische Sekretärin der TASS-Agentur in Wien und der ebenfalls dienstlich in Wien weilende ameri- kanische Reporter Frank nicht zusammen. Da muß erst Franks Freund im Zwei- kampf mit einem eifersüchtigen Iwan erschossen und Frank selbst aus Notwehr zum Mörder werden. Für Nina, die um ihrer in Rußland lebenden Eltern willen auf die verbotene Liebe zu Frank verzichten will, gibt es mit dem österreichischen Staatsvertrag ein Happy-End.38 Der Drehbuchautor Helmut Fischer-Ashley änderte auch die Schauplätze der Romanvorlage. So verlegte er z.B. die zentrale Szene, die Abschiedsfeier des Monsieur Gobineau vom Hotel de France in das Hotel Bristol. Die Protagonis- ten wurden aus rechtlichen Gründen auf Nina und Frank umgetauft, die Rollen mit Anouk Aimée und Karlheinz Böhm besetzt. Die titelgebende „Nina“ war auch eine direkte Referenz auf Lubitschs Ninotschka, der als Vorbild diente und, so Fischer-Ashley, immer noch „der schönste Film zum Thema Liebe im Ost- West-Konflikt“ wäre.39 Das Autorenduo Dor und Federmann hält sich hinsichtlich Handlung, Kon- figuration und dem tragischen Ende eng an den klassischen Stoff. Nur am Ende gibt es keine Versöhnung zwischen den verfeindeten Familien Capulet und Mon- tague wie im Shakespeare’schen Original, da es sich um die verfeindeten Super- mächte des Kalten Krieges handelt. Die Modernisierung des Schauplatzes in das von den vier Besatzungsmächten kontrollierte Wien der ersten Hälfte der 1950er-Jahre wird durch Blicke hinter den Eisernen Vorhang und das dort herr- schende totalitäre System ergänzt. Dies geschieht unter den Vorzeichen der Kri- tik am sowjetischen System. Eine völlig andere Konstellation hinsichtlich Ort, Figuren, Handlung sowie politischer Ausrichtung entwirft der kommunistische Schriftsteller und Journalist 37 Vgl. Weltpresse hört für sie. In: Weltpresse, 29.9.1954. 38 N.N.: In Wiens Straßen dreht man NINA. In: Mein Film. Die österreichische Filmillustrierte. 24 (1956) S.  15. 39 N.N.: „Nina“ – ein Schicksal aus Wiens Besatzungszeit. In: Weltpresse, 3.11.1956. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 104 3 Romeo und Julia im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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