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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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ter konsumierbar zu machen, wie der Journalist und Freund Torbergs William  S. Schlamm anmerkt. Schlamm bezeichnete die Liebesgeschichte als durchaus gelungen, Torberg hingegen bestritt gegenüber Schlamm, einen politischen Roman vor der Folie einer Liebesgeschichte geschrieben zu haben, sondern ver- lautete, dass sein Text das genaue Gegenteil meine. Nach Selbstaussagen Tor- bergs ist es „die Geschichte einer Liebe, die sich bewährt, und einer Freundschaft, die von der Politik zugrunde gerichtet wird“.93 Die Geschichte des Liebespaares ist den zeitgeschichtlichen Ereignissen unter- worfen. Der junge Prager Theaterkritiker Martin Dub musste 1939 vor den Nati- onalsozialisten ins Exil fliehen und kehrt nach dem Krieg in die befreite Tschechos- lowakei zurück. Nach seiner Rückkehr beobachtet er mit Unruhe das sich verschärfende politische Klima, versucht auch noch gegen die sich abzeichnen- de kommunistische Machtübernahme anzuschreiben. Als sich Martin drei Wochen nach der Machtergreifung durch die kommunistische Partei aus seinem Versteck wieder ins Freie wagt, trifft er unverhofft Wera Kirsanowa wieder, die er seit acht Jahren nicht mehr gesehen hat. Wera war seine große Liebe vor dem Krieg, eine Tänzerin des „Ballet Russe de Paris“, die dann „mit aller Gewalt als Schauspielerin hat Karriere machen wollen“ (ebd.). Sie begleitete Martin auf sei- ner Flucht nach Frankreich nicht, stand den ideologischen Konstellationen unkri- tisch, sogar opportunistisch gegenüber: „Was zum Teufel hatten die politischen Verhältnisse eines Landes mit ihrem Theaterspielen zu tun?“ (ZB 68). Während des Zweiten Weltkriegs trat sie mit einem Ensemble in Paris und an der Ostfront vor Nazitruppen auf. Dort wurde sie von einer Gruppe tschechischer Wider- standskämpfer kontaktiert, die ihr anboten, sie hinter die russischen Linien in Sicherheit zu bringen. Als gebürtige Russin ging Wera „weniger aus patriotischen oder sonstwie heldenhaften Motiven“ (ZB 151) darauf ein und gelangte nach Moskau. Dort wurde sie „unter die Obsorge eines tschechischen Komitees“ gestellt, die jedoch „praktisch einer Überwachung“ (ebd.) glich. So entschloss sie sich, die Ehe mit einem tschechischen Parteifunktionär einzugehen, der ihr „ein immer deutlicheres Interesse zuwandte“ (ebd.). Wie sie Martin bei ihrer Wiederbegegnung erklärt, „hatte das alles auch sei- nerseits“ (ZB 151) mit Liebe wenig zu tun. Ihr Mann, der „an besonders zukunfts- reicher Stelle in der Parteihierarchie“ (ZB 152) steht, und an dessen Aufstieg innerhalb der Partei Wera beteiligt ist, erhält denn auch nach dem Prager Putsch durch die Kommunisten einen „wichtige[n] und vertrauliche[n] Posten“ (ebd.). Wera ist aber keine überzeugte Kommunistin und entscheidet sich letztendlich 93 Manuskript der Sendung. In: Wienbibliothek im Rathaus, Nachlass Friedrich Torberg, Box 21/6, zit. n. Marcel Atze: „Was von einem ganzen Lebenswerke bleibt“. Friedrich Torbergs Pro- satexte zwischen Produktion und Rezeption. In: Ders., Marcus  G. Patka (Hg.): Die „Gefahren der Vielseitigkeit“. Friedrich Torberg 1908–1979. Wien: Holzhausen 2008, S.  25–58, hier S.  48. Liebe zwischen Ost und West 129
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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