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4 TOTALITARISMUS:
DIE INNERE GESCHICHTE DES KALTEN KRIEGES
Die Demokratie muß sich darüber klarwerden, daß sie mit
Fußballregeln gegen ein Rugbyteam spielt. (ZB 164)
Totalitarismus – Antitotalitarismus
Der Begriff „Totalitarismus“ war das mobilisierende und ideologische Einheit
stiftende Konzept des Kalten Krieges auf westlicher Seite. Begriffsgeschichtlich
beschreibt es die Bedrohung, die den Demokratien in Europa und den USA in
Gestalt einer aggressiven und invasiven Form des Staates im 20. Jahrhundert
gegenüberstand. Dabei war der Totalitarismus „immer ein vielgestaltiger und
elastischer Begriff, dem in unterschiedlichen Kontexten und unter veränderli-
chen politischen Konstellationen immer wieder neue Bedeutungen zugeschrie-
ben wurden“.1 In zahlreichen Theorien, die im Kalten Krieg entwickelt wurden,
stellte er eine Typologie zur Spezifikation autoritärer Staatsformen bereit, die in
erster Linie auf Nazi-Deutschland und die Sowjetunion unter Stalin bezogen
wurde.2 Nach 1945 wurde in der Bundesrepublik Deutschland „Antitotalitaris-
mus“ zur Staatsideologie und auch in Österreich, wo ein staatstragender Anti-
kommunismus die Gesellschaft ideologisch zusammen hielt,3 zählte er zum
„fixen Repertoire der politischen Kultur“.4 Auch in der Literatur nach 1945
hinterließ das Konzept, das „sowohl stalinistische als auch nationalsozialistische
oder faschistische Machtstrukturen“5 unter einseitigen ideologischen Vorzei-
chen deskriptiv und normativ fassbar zu machen versuchte, seine Spuren.
Welche Modalitäten und Kausalitäten sich mit diesem neuartigen Begriff ver-
banden, unterstreicht der italienische Schriftsteller Ignazio Silone, der als Ange-
höriger der Komintern bereits 1931 aus der KP ausgetreten war und als soge-
nannter Renegat galt:
1 Rabinbach: Begriffe aus dem Kalten Krieg, S. 8.
2 Vgl. Abbott Gleason: Totalitarianism. The Inner History of the Cold War. New York, Oxford:
Oxford Univ. Press 1995.
3 Vgl. Kriegleder: Die Literatur der fünfziger Jahre in Österreich – ein Überblick, S. 34 f.
4 Ernst Hanisch: Der lange Schatten des Staates. Österreichische Gesellschaftsgeschichte im
20. Jahrhundert. Wien: Carl Ueberreuter 1994, S. 428.
5 Michael Rohrwasser: Die Behandlung des Totalitarismus in der Literatur der Bundesrepublik
und der DDR. In: Bożena Chrząstowska, Hans Dieter Zimmermann (Hg.): Umgang mit Frei-
heit. Literarischer Dialog mit Polen. Berlin: Dreieck Verl. 1994, S. 48–60, hier S. 48.
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Title
- Diskurse des Kalten Krieges
- Subtitle
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Size
- 15.9 x 24.0 cm
- Pages
- 742
- Categories
- Geschichte Nach 1918