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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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ren hat historische Entsprechungen, die sich etwa in den Annäherungen zwi- schen der KPÖ und der „Nationalen Liga“ in der Nachkriegszeit zeigen. Ernst Fischer verhandelte mit deren Anführer, dem ehemalige SS-Obersturmbann- führer Adolf Slavik, über Beitritte ehemaliger Nationalsozialisten in die FÖJ bzw. die KPÖ.116 Im Laufe des Verhörs kommt Wehofer „das Ungeheuerliche dieser allen Geset- zen spottenden Beweisaufnahme zu Bewußtsein“: Woher nahm ein Staat, der angeblich demokratisch war und alle totalitären Syste- me lautstark und scheinheilig schmähte, das Recht, solche Eingriffe in die Privat- sphäre seiner unbescholtenen Bürger vorzunehmen? Wenn es aber nicht der Staat in seiner Gesamtheit war – woher nahmen dann irgendwelche Terroristen, die sich damit auf eine Stufe mit Bandenhäuptlingen, Freischärlern und ähnlichem Gesindel stellten, die beinahe unfaßbare Frechheit, derlei anzuordnen? (BA 64) Die beiden Staatspolizisten stellen sich für ihn als entmenschlicht, als „mecha- nische Puppen“ dar, als „willenlose Kreaturen einer unfaßbaren, immer im Hin- tergrund bleibenden Organisation oder Persönlichkeit“ (BA 65). Zuletzt muss Wehofer einsehen, dass auch „die größeren Bonzen“ nur „Rädchen, Teile einer gewaltigen, teuflischen Maschine“ (BA 104) sind: Jeder trieb oder wurde getrieben – und es war eigentlich ganz gleichgültig, ob man zu einer Herde oder ihren Treibern gehörte, weil die Chancen gleichmäßig verteilt waren. Es gab weder ein absolutes Oben noch ein Unten, sondern bloß den konti- nuierlichen, gesetzmäßigen Wechsel. (BA 104) Seine Verstrickung in die totalitären Systeme sowie sein Opportunismus treiben Wehofer nach Ende des Verhörs in den Selbstmord, weil er sein Leben als geschei- tert ansieht, als eine „Aneinanderreihung mehr oder weniger großer Gemein- heiten“ (BA 216). Wie bereits in der Titelei mittels Zitaten aus Zeitungsausschnitten signalisiert wird, greift Hinterbergers Roman einen zeitgeschichtlichen Skandal auf, der die Zweite Republik hinsichtlich ihrer demokratischen Prinzipien erschütterte. In einem Interview enthüllte der österreichische Innenminister Franz Olah Ende Januar 1964, dass die österreichische Staatspolizei die Bevölkerung bespitzle und Oberösterreich am Beispiel VOEST und Steyr-Daimler-Puch. Linz. OÖLA 1995, S.  389, zit. n. Michael Kraus: „Kultura“. Der Einfluss der sowjetischen Besatzung auf die österreichische Kul- tur 1945–1955. Wien: Univ.-Dipl. 2008, S.  283. 116 Vgl. Wolfgang Mueller: Die sowjetische Besatzung in Österreich 1945–1955 und ihre politische Mission. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2005, S.  215. Elemente des Totalitarismus jenseits der staatlichen Diktatur 177
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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