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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 250 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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the follies of the totalitarian system are scathingly exposed.“61 Ganz anders die Perspektive des kommunistischen Worker, der den Text als Vertreter einer alt- modischen Anti-Sowjet-Literatur abtut: „a crude imitation of Koestler“62 – gemeint ist der bekannteste Autor der anti-stalinistischen Renegatenliteratur, Arthur Koestler, der mit seinem 1940 in England erschienenen Darkness at Noon (dt.: Sonnenfinsternis, 1946) weltberühmt geworden ist. Die Puppen von Poshansk würde die gleichen altbekannten Unwahrheiten verbreiten, so der Worker: „Russians have slave camps in Siberia, their beds are full of bugs, their hospitals have no doctors, and any foreigner who still likes the Soviet Union after seeing it must be a half-wit.“63 Wenig überraschend für eine kommunistische Zeitung, wird auch hier die Existenz des Gulag rundweg bestritten. Die Rezeption des Romans im deutschsprachigen Raum war deutlich gerin- ger, mit bemerkenswerten Ausnahmen: einer fünfseitigen Titelgeschichte im Spiegel vom 27.  August 1952 und einer ausführlichen Besprechung in der von Hans-Werner Richter herausgegebenen kurzlebigen Zeitschrift Die Literatur.64 Der anonym erschienene Spiegel-Artikel, dem offensichtlich ein Gespräch mit dem Autor voranging, nimmt das Erscheinen der Puppen von Poshansk zum Anlass einer eingehenden und sehr lobenden Darstellung von Neumanns bis- herigem Werk im Allgemeinen und dem neuen Roman im Besonderen. Aus- gangspunkt des Artikels ist Neumanns literarische Auseinandersetzung mit dem Gulag, die als gezielte politische Provokation gedeutet wird. Der Autor habe sich […] in östlichen Augen eines Kapitalverbrechens schuldig gemacht: er hat sich mit jenen zehn Millionen Vergessenen beschäftigt, die im größten Sklaventerrito- rium der Weltgeschichte zwischen Eismeer, Ochotskischem Meer und der Taiga dahinvegetieren und absterben.65 Der Artikel berichtet von Neumanns Begegnung mit Elinor Lipper, beschreibt ausführlich den Inhalt des Romans und hält fest, dass sich der Text trotz seiner 61 Scotsman, 3.7.1952. 62 Worker, 12.6.1952. 63 Ebd. 64 Wolfgang Bächler: Robert Neumanns Puppenspiele. In: Die Literatur, 15.5.1952, S. 4. Zu erwähnen ist auch, dass am 3.11.1955 im deutschen Südwestfunk ein Fernsehspiel nach Neu- manns Roman ausgestrahlt wurde. Inszeniert wurde es von Karl Peter Biltz und in einer kur- zen Rezension darüber in der Zeit heißt es, dass Biltz „das buntbewegte Panorama auf ein Kammerspiel [reduzierte]. Ein Verfahren, durch das viel von den grauenhaften Hintergründen verdeckt blieb, aber eine Intensität des Grundkonflikts – wie weit läßt sich der Mensch mecha- nisieren? – gewonnen wurde, die in Neumanns Roman ihrerseits durch eine Überfülle grotes- ker Details zugedeckt ist.“ E.  V.: Sibirien ist nicht weit. In: Die Zeit (1955) Nr.  45, S.  20. 65 N.N.: Perversion, S. 29. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 250 6 Österreichische Gulag-Literatur
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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