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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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er politischer Konstellationen, die eine möglichst große Zahl an Mitgliedern und Parteigängern für die unterschiedlichen Interessensgruppen wünschenswert machen. Dor und Federmann formulieren dies folgendermaßen: Das Wiedererwachen der Nazi hat überall die gleiche Ursache: den Wettlauf der Großen um ihre Stimmen. Ost und West glauben im Kalten Krieg nicht auf ihre Mitwirkung verzichten zu können. Dasselbe gilt für die grossen politischen Par- teien, von denen jeder die Nazi für sich gewinnen wollte.90 Diese zeitgenössische Einschätzung deckt sich mit jener des Historikers Oliver Rathkolb: Der alle rechtlichen und politischen Schranken relativierende Antikommunismus führt auch dazu, daß höchst belastete ehemalige NSDAP-Eliten oder Fachleute aus der NS-Rüstungsindustrie aus ‚nationalem Interesse‘ integriert wurden, wäh- rend man etwa Künstler/innen, die im als kommunistisch stigmatisierten Neuen Theater in der Scala, für die sowjetische Filmindustrie oder die ‚Russische Stunde‘ der RAVAG gearbeitet hatten, ausgrenzte.91 In der österreichischen Literatur der fünfziger und frühen sechziger Jahre taucht immer wieder das Bild vom gemeinsamen Tisch auf, wenn es um die Frage der Zugehörigkeit zur neuen staatlichen Identität, mithin auch um die Frage der Re-Integration der ehemaligen Nationalsozialisten und die damit verbundenen Verdrängungs- und Exkulpierungsleistungen geht.92 Albrecht Koschorke hat darauf hingewiesen, dass Metaphern, Allegorien, Bildfelder wie der Körper oder das Schiff abstrakte Vorstellungen wie den Staat vorstellbar zu machen vermö- gen und besonders in Phasen des ‚nation building‘ verwendet werden.93 Das Bild des Tisches hat eine ebensolche Funktion, wie sich zeigt, wenn Milo Dor und Reinhard Federmann in ihrem Radio-Dialog NS-Parnass in Österreich ankün- digen, sich nicht „mit den alten, unbelehrbaren Nazi an einen Tisch zu setzen“: B: […] [K]aum haben wir die totalitäre Herrschaft Hitlers und seines Kriegs über- wunden, [sind wir] schon wieder von neuen totalitären Mächten bedroht […]. 90 Dor, Federmann: NS-Parnass in Österreich, S. 18. 91 Rathkolb: Die paradoxe Republik. Österreich 1945 bis 2010. Innsbruck, Wien: Haymon 2011, S. 25. 92 Vgl. Günther Stocker: Der gemeinsame Tisch. Literarische Allegorie der österreichischen Iden- tität in den Anfängen der Zweiten Republik. In: Journal of Austrian Studies 48 (2015) H. 3, S.  1–20. Die Ausführungen in diesem Abschnitt basieren auf diesem Aufsatz. 93 Vgl. Albrecht Koschorke [u.a.]: Der fiktive Staat. Konstruktionen des politischen Körpers in der Geschichte Europas. Frankfurt/M.: Fischer 2007. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 288 7 Das Gespenst des Nationalsozialismus im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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