Page - 320 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Image of the Page - 320 -
Text of the Page - 320 -
„Sie sagen ‚Gott sei Dank‘, Barbara? Ob man nicht eher dem Teufel dafür danken
muß, wenn wir das Rezept gefunden haben, die H-Bombe wirklich zu starten?“
(ZGT 53) Über die „Super-Bombe“ sagt Donald seinem Abteilungsleiter Hed-
ecronen gegenüber, sie sei „eher eine Sache des Teufels als Gottes!“ (ZGT 309)
Hedecronen antwortet:
Gott! – Niemand weiß, ob es wirklich ‚Gott‘ gibt. [...] Wissen Sie, Donald, ich
glaube an eine universelle Kraft, oder wie Sie es nennen mögen, aber an keinen
Gott im moralischen oder gar kirchlichen Sinn. Denn gäbe es einen solchen, dann
hätte er die Welt anders geschaffen. Und vor allem den Menschen! (ZGT 309 f.)
Die universelle Kraft, welche Hedecronen hier anspricht, offenbart sich in der
Umwandlung von Materie in Energie während der Atomspaltung. Sein Verständ-
nis verbindet diese Kraft aber nicht mehr mit der moralischen Instanz Gottes,
sodass eine problematische Verbindung von Allmacht und Amoral zu entstehen
scheint. Donald imaginiert angesichts einer solch amoralischen Wissenschaft
ein apokalyptisches Szenario mit zahlreichen biblischen Anspielungen:
KPÖ: Wasserstoffbombe! Fordert überall das Verbot der Atomwaffen. 1954. Wienbibliothek,
Plakatsammlung.
Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
320 8 Die atomare Bedrohung in der österreichischen Literatur
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Title
- Diskurse des Kalten Krieges
- Subtitle
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Size
- 15.9 x 24.0 cm
- Pages
- 742
- Categories
- Geschichte Nach 1918