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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Und wie von einer fürchterlichen Vision geblendet sieht er vor sich, die Schwär- ze der Nacht grell zerreißend und riesengroß in den entgötterten, geschändeten Himmel schießend, den ungeheuren Explosionspilz der detonierenden Bombe und unter ihm das flammende, schauerliche Chaos brennender, zerfetzter Städte ... Gog und Magog sind entfesselt, wie es die Apokalypse angekündigt. Im freveln- den Wahnwitz vernichtet der Mensch sich selbst und die Schöpfung, die in seine Hand gegeben ... (ZGT 310)86 In Rudolf Geists Augenzeuge Menschheit wird die Physikerin Rosa Serjewtschi- kowa mit einem „weiblichen Prometheus“ (AM 14) verglichen, was sich jedoch als Verkennung der Figur herausstellt. Serjewtschikowas wissenschaftliches Stre- ben findet gerade in der „Gottesfurcht“ eine Beschränkung. Nach einer nur knapp abgewendeten Apokalypse durch einen Krieg mit Atomwaffen und anderen hochpotenten Waffengattungen äußert sie ihre Bestürzung darüber, „daß die Hölle hat so thronen können inmitten der Gottesschöpfung!“ (AM 377) Ihr spi- ritueller Lehrer Babakutschin erklärt darauf die Gründe für den Atomkrieg mit dem Bild des satanischen Sündenfalls: Aber wie die abgefallenen Engel plötzlich nicht bei Gott sein wollten, oder nur wenn sie sich über ihn hätten erheben können, womit sie nur zeigten, daß sie sich selbst nicht leiden mochten, verdrossen über ihre Gottunähnlichkeit, so war es auch mit den Menschen. Die Erkenntnis hat sie götzeneitel gemacht. Nachdem sie sich naturbeherrschend glaubten, wollten sie allbeherrschend werden. (AM 377) Die Begründung für einen etwaigen Atomkrieg liege demzufolge weder im Expan- sionsdrang des Kommunismus noch im Rüstungsinteresse des Kapitalismus, sondern in der Verfassung des Menschen selbst. Die Atomthematik wird in die- sen Texten in den Horizont einer welt- und menschheitsgeschichtlichen Dimen- sion gerückt, anstatt sie primär auf der Ebene der zeitgeschichtlichen, politischen Situation anzusiedeln. Besonders die enge Verbindung der Problematik mit einem christlich-religiösen Diskurs fällt in vielen österreichischen Texten auf. Aber selbst der US-amerikanische Atombomben-Reporter Laurence, der den technischen Fortschritt der Atomspaltung grundsätzlich als Triumph inszeniert,87 verwendet den Sündenfall als Bild für die Bomben auf Japan, wodurch die Vor- 86 Die Satansvölker Gog und Magog werden erwähnt in „Die Offenbarung des Johannes“, Kapitel 20, Vers 8. Laut Krökel prägt die Offenbarung des Johannes häufig den Stil der Atomkriegs-Li- teratur. Vgl. Krökel: „Bombe und Kultur“, S.  192  f. u. 198. 87 So beschreibt er die Staubwolke, die durch die Detonation bei Alamogordo in die Höhe geschleu- dert wird, folgendermaßen: Sie nahm „für einen schnell dahinschwindenden Augenblick die Gestalt einer riesigen Freiheitsstatue an, die ihren Arm zum Himmel streckte als Sinnbild der Geburt einer neuen Freiheit für die Menschen“. Laurence: Dämmerung über Punkt Null, S.  225. Atomfaszination und Atomangst 321
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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