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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 344 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Tatsächlich betrieben die USA in den späten 1950er-Jahren ein Projekt, um der UdSSR gegenüber ihre technische Vormachtstellung durch eine Atomwaf- fendetonation am Mond zu demonstrieren. Diese Machtdemonstration in der Ferne ist symptomatisch für den Kalten Krieg, der nicht direkt, sondern durch Verschiebungen in seine Randzonen geführt wird,162 was zur Abschreckung des Gegners führen soll.163 Bechers Text greift diesen zentralen Aspekt des Kalten Krieges auf und imaginiert die verheerenden Auswirkungen der Machtdemons- tration mittels Atomwaffen. Zborowskys „Die Mondzertrümmerer“ stellt eine Imagination zum Zweck der Abschreckung vor Atomwaffentests beider Groß- mächte dar. 164 Die Zerstörung des Mondes wird nicht von einer Großmacht, sondern von „man“, dem „Mensch“ oder von „Männer[n]“ (KV 72; kursiv im Orig.) vorgenommen. Die dadurch ausgelösten Umweltkatastrophen zerstören nach und nach „Mensch, Tier, jegliches“ (KV 74; kursiv im Orig.), bis die Erde selbst zu einem ‚Mond‘ – zu einer unbewohnbaren Steinlandschaft – geworden ist. Es geht nicht mehr um die Differenzen zwischen zwei distinkten Gruppen, Weltanschauungen, Weltmächten etc., sondern um die Gesamtheit des ‚Lebens‘. Diese Imagination der Apokalypse warnt vor dem Einsatz von Massenvernich- tungswaffen aus politischen Zwecken. Jungk hatte diese Intention des Textes 1964 als „elftes Gebot“ formuliert: „Du sollst keine Atomwaffen zur Erreichung deiner politischen Ziele verwenden.“165 Kühnelts Drama Es ist später als du denkst arbeitet ebenfalls mit der Imagi- nation einer atomaren Apokalypse zum Zweck der Abschreckung. Die Verwüs- tung und Kulturarmut der Erde nach dem Atomkrieg soll eine anklagende Funk- Zeitungen erfahren können, wenn man einer DDR-Broschüre folgt, die berichtet: „Es gab eine ordentliche ‚Künstliche-Mond-Epidemie‘“. So soll die Neue Zeitung (Frankfurt/M, Berlin, München) vom 8.  Jänner 1949 berichtet haben: „Militärische Basen entstehen im Weltall. Atom- bomben als Erdtrabanten.“ Vgl. Klaus, Porst: Atomkraft – Atomkrieg?, S.  95. 162 Vgl. Geyer: Der kriegerische Blick. 163 Die Imagination von Atomkriegen kann auch als Konfliktfeld zwischen den Anti-Atomwaf- fenbewegungen und deren Gegnern bezeichnet werden. So wurden in Broschüren wie Könnte Österreich überleben? Szenarien beschrieben, welche die katastrophalen und großflächigen Auswirkungen eines Atomkrieges verdeutlichten. Gleichzeitig werden Broschüren kritisiert, die über ein angeblich richtiges Verhalten im Atomkriegsfall belehren und die Katastrophe so als handhabbar darstellen. Vgl. ebd., S.  43. 164 Die Literatur ist seit Aristoteles dazu berufen, nicht das Wirkliche, sondern das Mögliche dar- zustellen und damit auch Imaginäres, Unsichtbares zur Sprache zu bringen. Die Thematik der Imagination ist im Zusammenhang mit Atomkriegsnarrativen auch bevorzugt von der litera- turwissenschaftlichen und literaturtheoretischen Forschung besprochen worden. Vgl. J.  Fisher Solomon: Probable Circumstances, Potential Worlds: History, Futurity, and the ‚Nuclear Refe- rent‘. In: Papers on Language and Literature  26 (1990) H.  1, Special Issue on Nuclear Fic- tion, Winter, S.  60–72. 165 Robert Jungk: Vorwort. In: Österr. Aktion für Frieden und Abrüstung (Hg.): Könnte Österreich überleben? S.  3  f., hier S.  4. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 344 8 Die atomare Bedrohung in der österreichischen Literatur
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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