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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 470 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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In Österreich vollzog sich nach 1945 der Anschluss an die internationale Moder- ne nur sehr schleppend,22 sodass in diesem Zusammenhang sogar von einem „Kal- ten Krieg gegen die Moderne“ in Österreich gesprochen wurde.23 Die aus Henz’ Roman zitierte Episode ist ein Indiz dieser Entwicklung. Frühe Beispiele dafür sind die Leserbriefspalten von Otto Basils Kultur- und Literaturzeitschrift Plan, in denen moderne Kunst als „Picasso-Krankheit“ und „Seuche“ attackiert wurde, sowie ein Bericht über einen Schaukasten der ÖVP, in dem mit Vokabular, das dem des Nationalsozialismus ähnelte, gegen die Moderne polemisiert wurde und Gedichte von Arthur Rimbaud sowie Grafiken von Edgar Jené als charakteristisch für die von Schiebern und Verbrechern dominierte Nachkriegszeit und den Zer- fall moralischer Werte bezeichnet wurden.24 Der konservativ-reaktionäre Konsens des österreichischen Kulturbetriebs im Bereich der bildenden Kunst orientierte sich in den 1950er-Jahren stark an Hans Sedlmayrs Studie Der Verlust der Mitte (1948). Sedlmayr propagierte und rechtfertigte in seinem Text, der bereits Anfang der 1940er-Jahre entstanden war, das nationalsozialistische Paradigma von der „entarteten Kunst“. Der Text gilt als ein „Schlüsselwerk der antimodernen Kunst- und Kulturauffassung“,25 glorifiziert das Barock und verdammt die Avantgarde. Als Teilnehmer des ersten „Darmstädter Gesprächs“ (1950), das sich dem Thema „Das Menschenbild unserer Zeit“ widmete, modifizierte Sedlmayr seine Thesen und betonte, er wolle die Leistung und Größe der modernen Kunst nicht bestrei- ten, sondern sehe in ihr ein Symptom für die Krise der Gegenwart.26 Gegenüber den allerneuesten Strömungen in der Malerei, wie dem Tachis- mus, einer Stilrichtung des Informel in der abstrakten Malerei, fand auch der Kunsthistoriker Wieland Schmied in einem Artikel im Forvm keine guten Wor- te. Er kritisiert die „Farbflecke und Schandflecke“ auf den tachistischen Bildern, die jeden Ordnungsprinzips entbehren würden: Auch der unbegabteste kann jetzt Maler werden, wenn er bereit ist, sich von allen hergebrachten Ansichten zu lösen. Die Begabung ist nicht mehr feststellbar. […] 22 Christian Maryška: „Sie drängen sich vor oder auf, ob sie beachtet werden oder nicht“. Fallbei- spiele von Grafikdesign im Kalten Krieg. In: Rohrwasser, Hansel: Kalter Krieg in Österreich. S.  319–338, hier S.  326. 23 Gert Kerschbaumer: Der kalte Krieg gegen die Moderne. In: Ders., Karl Müller (Hg.): Begna- det für das Schöne. Der rot-weiß-rote Kulturkampf gegen die Moderne. Wien: Verlag für Gesell- schaftskritik 1992, S.  117–204. 24 Vgl. Habarta: Frühere Verhältnisse, S. 65  f. 25 Vgl. Gernot Heiß: „…  dass Österreich wieder zum Kulturträger und Kulturpionier für die gesamte Menschheit werde.“ Kulturpolitik und kulturelle Entwicklung im Österreich der Nach- kriegszeit. In: Karin Moser (Hg.): Besetzte Bilder. Film, Kultur und Propaganda in Österreich 1945–1955. Wien: Verlag Filmarchiv Austria 2005, S.  37–111, hier S.  45. 26 Vgl. Gillen: Feindliche Brüder?, S. 72  f. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 470 12 Kunst im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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