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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 472 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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die Kunst“ (K 27) charakterisiert, ist die Kritik der modernen Kunst vor allem mit „Bla-Bla“ (ebd.) verbunden. Über den Starkritiker des „Telegramm“ (K 28) und Mitherausgeber der Nach- wuchs-Zeitschrift „Junge Existenz“ Klaus Böß, der die Theorie vertritt, dass die Kunst als „irrationale Zeichenschrift des technischen Zeitalters“ (K 120) ver- standen werden sollte, jedoch hinter dem Rücken der Künstler an diesen kein gutes Haar lässt, heißt es: Der Allroundkritiker (vom Schlage eines Klaus Böß) löst heute den Fachkritiker ab. Ob ein Kritiker Kunstgeschichte studiert hat, die Harmonielehre der seriellen Disharmonie beherrscht oder die Dramaturgie des Antidramas, auf seine Nase kommt es an, auf die Witterung für Modernität. Die […] Ansicht, der Beruf des Kritikers erfordere einen langjährigen Umgang mit den Gegenständen der Kunst und einen hohen Grad geistiger und seelischer Reife, war eine Fehlmeinung. Ge- nauigkeit und Verantwortung verleiten ja den Kritiker […] lenken ihn von seiner Hauptaufgabe, der eigenwilligen, der originellen Selbstdarstellung, ab. (K 49) Die Hybris des modernen Kunstkritikers personifiziert sich in der Figur des Professor Quick, der bei der anfangs zitierten Ausstellungseröffnung von Hasils „Kunstwerken“ auftritt; Quicks „kybernetische Ästhetik“ (K 151) wird zu jenen Kunstphilosophien und Theorien gezählt, die die Kunstwerke der (westlichen) Avantgardisten intellektuell untermauert: „Ich habe auch noch nie einen Men- schen gescheiter über Kunst reden hören (was besagt das schon!), es wird auch nie wieder einen gescheiter über Kunst formulierenden Menschen geben.“ (ebd.). Professor Quick, der den Kartonismus verteidigt und die Überlegenheit dieser neuen Kunst mathematisch errechnet hat (vgl. K 151), zählt, wie ein Rezensent des Romans anmerkt, zu den „Phrasenmacher[n], Windbeutel[n], d[en] Mana- gertypen und Kulturhyänen der westlichen Welt“,30 die den „Kartonismus“ als Beweis dafür sehen, dass die Kulturpolitik der VVR vom Sozialistischen Realis- mus abweicht und sich für avantgardistische Experimente öffnet. Aus einer vor- geblichen Liberalisierung in den Künsten wird die Schlussfolgerung einer poli- tischen Liberalisierung gezogen. Die Verfallserscheinungen, die Henz an der Kultur sowohl in Ost als auch in West diagnostiziert, gehen im Kartonismus freilich von beiden Blöcken aus. Jeder der Blöcke steuert seinen Beitrag zum eigenen Verfall bei, jedoch sind die Sym- ptome verschiedener Art, woraus das satirische Element resultiert, wenn die verschiedenen Diskurse sich an einer Schnittstelle, nämlich an der infantilen Schachtelkunst Hasils treffen, die für die Kunstkritik des Westens eine „adäqua- 30 Theodor Sapper: Die neue satirische Möglichkeit. Ein [sic!] Bemerkung zum „Kartonismus“ von Rudolf Henz. In: Wort in der Zeit  11 (1965) H.  11, S.  46–50, hier S.  48. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 472 12 Kunst im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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