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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Kohl, das revoluzzernde Delirium, das diese Burschen uns einzusenden wag- ten!“ (ebd.). Die beiden Lyriker bezeichnet er als „[p]hantastische Exkremente, gefüllt mit dem Plunder atavistischer Bilder und Vorstellungen“ (AT 336  f.), die Lyrik mit Titeln wie „Kreuz am Traktor“, „Ungnadenzeit“, „Höllenfahrt“ (AT 337) verfasst hätten. Sie wurden dann „behandelt“ und sechs Wochen später „haben wir die ersten neuen Produktionen der beiden Burschen auf dem Tisch liegen“ (ebd.) mit Titeln wie „Sang des Kombinats Meron  VI“, „Hymne auf das BÜRO“, „Rede auf den Tod des Marschall Fritz-Maurin“ (ebd.). Trotzdem stirbt Rosentot kurz danach und Weidenbein kann keine Kunst mehr ‚produzieren‘, weil er „fertig“ (ebd.) ist. In diesem Handlungsverlauf ist das in zentralen Texten des Kalten Krieges verbreitete Narrativ der „Gehirnwäsche“ erkennbar. Vorläufer dazu gab es bereits vor 1947 in Aldous Huxleys Brave New World (1932) und Arthur Koestlers Dar- kness at Noon (1940), die verschiedene Arten von „Gehirnwäsche“ in fiktiven totalitär regierten Staaten beschreiben. Analogien zwischen Gehirnwäsche und Psychiatrie in den westlichen Demokratien stellten aber auch Romane wie One flew over the Cuckoo’s Nest (1962) von Ken Kesey und Sylvia Plaths The Bell Jar (1963) her, denn, wie David Seed in einer Studie über Brainwashing feststellt, ob die Kontexte der Texte nun politisch, psychiatrisch oder sozial wären, die Ver- innerlichung des Prozesses der Kontrolle und Überwachung taucht in fiktiona- len Texten seit Orwells Nineteen Eighty-Four immer wieder im Narrativ der „Gehirnwäsche“ auf.122 Seed konstatiert, dass Gehirnwäsche nicht als eine „exo- tische, unaufhaltsame Prozedur, die den Verstand säubert, sodass andere ihn umgestalten können“ zu verstehen ist, sondern einem Prozess der extremen phy- sischen Deprivation, ähnlich der Folter, vergleichbar wäre. So ermöglichten v.a. neue Technologien eine radikale Veränderung in der Psyche des Menschen.123 In diesen Diskurs schreibt sich auch Heers Dystopie ein. Wenn sich die Kunst- schaffenden den Anweisungen, nach welchen Normen und Regeln sie ihre Wer- ke zu gestalten haben, widersetzen, werden sie zunächst in ein „Probelager“ zur „Umschulung geistiger Arbeiter“ (AT 336) eingewiesen und zwangsweise in das „Introspektorium“, dem „Inspekt“, wie es die Verantwortlichen nennen, einge- wiesen. Dort wird die „psycho-physische Struktur des abweichenden Dichters“ (ebd.) analysiert und „christliche Wahnvorstellungen sowie atavistische Rück- stände“ in ihren Psychen werden ausgemerzt. Dazu dienen brachiale Methoden wie Elektroschocks, aber auch Eingriffe ins Gehirn, also Lobotomien. Dies führt häufig zur ‚Heilung‘, wie dies im Jargon der Machthaber genannt wird, denn zumeist halten sich die Literatinnen und Literaten dann an die Leitideologie des 122 Vgl. David Seed: Brainwashing. The fictions of mind control. A study of novels and films sin- ce World War  II. Kent, Ohio, London: Kent State Univ. Press 2004, S.  XIV. 123 Ebd., S. XXV. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 502 12 Kunst im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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