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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 506 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Sozialdemokratie und Kommunismus (Kapitel  3) ebenfalls bereits mehrfach angesprochen. Auch der Grenzgängerfigur des Spions4 (Kapitel  9), die eine besonders schillernde, unklare Identität aufweist und immer des Frontenwech- sels verdächtig ist, ist ein gesondertes Kapitel gewidmet. Im Kapitel zur Liebe im Kalten Krieg und Texten, die den Romeo-und-Julia-Stoff aufgreifen (Kapi- tel  3), wurde ein Thema behandelt, das ebenfalls eng mit dem Frontenwechsel in Verbindung steht, da dieser als Resultat einer erfolgreichen Anwerbung durch die Figur eines/einer Geliebten von der Gegenseite dargestellt werden kann. Schließlich ist der im zweiten Kapitel besprochene Augenzeugenschaftsdiskurs im Zusammenhang mit dem Moment der Überzeugung zu sehen, die durch positive oder negative Erfahrungen mit einer der beiden Systeme oder Seiten erfolgt, und als Motivation für den Frontwechsel dargestellt werden kann. Auf- grund der zentralen Bedeutung des Themas für die unterschiedlichen Diskurs- stränge des Kalten Krieges sollen hier nun einige literarische Texte als Narrati- onen des Seitenwechsels systematisiert werden, die in den vorhergehenden Kapiteln in anderen Zusammenhängen bereits dargestellt wurden. Dabei werden die Texte nach ihrem Umgang mit dem Moment der Überzeugung differenziert, wobei sich ein Spektrum von der absoluten ideologischen Überzeugung bis zur beliebigen ideologischen Zugehörigkeit eröffnet. Die Begriffe des Renegatentums, der Konversion und der Bekehrung lassen sich narrativen Konstellationen zuordnen, die mit starken Überzeugungen ope- rieren. Der Begriff des Renegatentums5 hat sich für die Abwendung vom Kom- munismus eingebürgert.6 Im Gegensatz zur Konversion oder Bekehrung als affirmativer Haltung gegenüber einer neu gewonnenen politischen Überzeugung meint Renegatentum Negation einer Ideologie, die oft von Desillusionierung begleitet wird und – besonders vor dem Hintergrund des Kalten Krieges – auch von einer Problematisierung ideologischer Überzeugungen insgesamt.7 Micha- 4 Vgl. Eva Horn, Stefan Kaufmann, Ulrich Bröckling (Hg.): Grenzverletzer. Von Schmugglern, Spionen und anderen subversiven Gestalten. Berlin: Kadmos 2002. 5 Als Alternative zum Renegatenbegriff, der im kommunistischen Jargon abwertend verwendet wird, findet sich häufig der Begriff „Ex-kommunisten“. Vgl. Ernst-August Roloff: Exkommunis- ten. Abtrünnige des Weltkommunismus. Ihr Leben und ihr Bruch mit der Partei in Selbstdarstel- lungen. Mainz: v.  Hase & Koehler 1969. Hermann Kuhn: Bruch mit dem Kommunismus. Über autobiographische Schriften von Ex-Kommunisten im geteilten Deutschland. Münster: Verl. Westfäl. Dampfboot 1990. Horst Krüger: Einleitung. Die entzauberten Revolutionäre. In: Ders.: (Hg.): Das Ende einer Utopie. Hingabe und Selbstbefreiung früherer Kommunisten. Eine Doku- mentation im zweigeteilten Deutschland. Olten, Freiburg i. Br.: Walter 1963, S.  11–27, hier ab S.  15. Krüger verwendet aber synonym und alternativ auch den Renegatenbegriff: Vgl. ebd., S.  18. 6 Vgl. Rohrwasser: Der Stalinismus und die Renegaten, S. 26. Wörtlich verweist ‚Renegatentum‘ auf Widerständigkeit und Negation gegen ein System. Vgl. Marco Carini: Die Achse der Abtrün- nigen. Über den Bruch mit der Linken. Berlin: Rotbuch 2012, S.  10  f. 7 Horst Krüger stellt fest, dass Fälle impulsiven und kämpferischen Renegatentums wie bei Art- Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 506 13 Konversion, Bekehrung, Renegatentum. Narrative des Seitenwechsels.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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