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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Disziplin.“28 Zugespitzt könnte man formulieren, dass die Bekehrung dieser Figur sogar für den Autor selbst schließlich zu radikal ausfällt. Die abrupte Wen- dung des Protagonisten vom westorientierten Jugendlichen zum Gewalttäter im Namen des Kommunismus widerspricht in ihrer Radikalität propagandistischen Zielen der KP. Der Konvertit oder Bekehrte als Opfer mag propagandatauglich sein, als Täter ist er alarmierend. Kommunistische sowie auch religiöse Standpunkte provozieren und produ- zieren emphatische, zum Teil sogar pathetische Konversions- und Bekehrungs- erzählungen. Beide haben Verwendung für die Tragik des Märtyrer- und Opfer- todes sowie die Struktur des Wandlungsdramas. Der Grund dafür ist das Wahrheitsangebot, das sowohl Religionen als auch die politische Ideologie des Kommunismus bereitstellen. Dieses anzunehmen, bedeutet Zweifel, dritte Posi- tionen, politische Indifferenz oder Kompromissbereitschaft auszuschließen. Die zweiflerische Haltung, die in Fischers Drama in Gestalt Diegos problematisiert wird, ist unvereinbar mit der Logik dieser Narrative. Konversion/Bekehrung durch Liebe und Sympathie Als eine weitere Variante von Bekehrungs- oder Konversionserzählungen lässt sich die Funktionalisierung des Handlungsmoments der zwischenmenschlichen Beziehung feststellen. Die „Beeinträchtigung sozialer Bindungen“29 war ein häu- figer Grund für den Bruch mit dem stalinistischen Kommunismus. Ernst-Au- gust Roloff stellt in seiner Studie zu Renegatenerzälungen fest, „daß die Bindung an die Partei keine Angelegenheit grundsätzlicher theoretischer Überlegungen, sondern sozialer Bezüge“30 sei. Es überrascht daher nicht, dass sich häufig Texte finden, die Konversion und Bekehrung in den Rahmen von Freundschaften oder Paarbeziehungen stellen. Dabei wird insinuiert, dass die Liebe für den Partner oder die Partnerin auch Sympathie für dessen/deren politische Einstellung bedin- gen könne. Als Allegorie betrachtet hebt diese Konstellation der Verführung zu einem politischen Bekenntnis durch die Liebe den irrationalen Charakter sol- cher Anhängerschaft hervor.31 28 Fischer: Das Ende einer Illusion, S. 270. 29 Ernst-August Roloff: Exkommunisten, S. 240. 30 Ebd., S. 241. 31 Vgl. den oben zitierten Satz: „Wer sich in eine Frau verliebt oder in den Schoß der Kirche ein- geht, tut dies nicht auf Grund logischer Denkvorgänge.“ Koestler: [o.T.]. In: Koestler, Silone [u.a.] (Hg.): Ein Gott, der keiner war, S.  21. Konversion/Bekehrung 515
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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