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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Weltgeschichte, in die unser Gebiet einbezogen bleibt, aufgehört hätten“.44 Dies sollte sich bereits wenige Monate später angesichts der Krise im benachbarten Ungarn bewahrheiten und die Neutralität Österreichs auf eine erste Probe stel- len. Der gute Samariter Ein Lateinlehrer in Erika Mitterers Roman Tauschzentrale (1958) vergleicht den ungarischen Volksaufstand 1956 mit der Schlacht von Salamis (480 v.  Chr.), zwei für ihn „ähnlich erschütternde Ereignisse“ (TZ 110). Zwar habe „damals wie heute […] eine Handvoll junger Männer das Geschick des Abendlands entschie- den“, äußert sich der Mittelschullehrer, relativiert jedoch vorsichtig, dass der Ausgang des Versuchs „nicht einmal von so entscheidender Bedeutung“ wäre, als „die Tatsache, daß er überhaupt gewagt werde“ (TZ 110). Dies eröffnet das Spannungsfeld zwischen Engagement und Neutralität, dem sich Österreich in den Novembertagen des Aufstands im Nachbarland, mit dem ihn eine gemein- same Geschichte verband, ausgesetzt sah. Die Schwierigkeit des Lehrers, bei sei- ner Darstellung neutral zu bleiben, exemplifiziert allegorisch die Position Öster- reichs während der Ungarnkrise. Der Hauptfigur des Romans, dem fünfzehnjährigen Berthold Brandstetter, der den Verlauf des Volksaufstandes via Radiomeldungen und das Leid der Flücht- linge an der österreichisch-ungarischen Grenze unmittelbar miterlebt, ist die Niederschlagung des Aufstands durch die Truppen des Warschauer Paktes zunächst ein Symbol für das Scheitern des eigenen Lebensentwurfs, was eindringlich die dramatische Wirkung verdeutlicht, die der Volksaufstand auf das damalige Öster- reich haben musste. Während die gemeinsame Vergangenheit beider Länder im Rahmen der habsburgischen Monarchie ohnehin stets gegenwärtig ist, liegt eine noch wichtigere Voraussetzung der Empathie für den „Nachbarn“ in der öster- reichischen Geschichte nach 1945: Der Freiheitsdrang der ungarischen Bevölke- rung war für das Österreich der Post-Besatzungszeit, das durch den Staatsvertrag Souveränität und Neutralität erlangte, zwingend nachvollziehbar.45 Bereits am 28.  Oktober 1956 hatte sich die österreichische Regierung mit einem Appell an die Sowjetunion gewandt und rief dazu auf, die Kampfhandlungen einzustellen. Mit der Erhebung der ungarischen Bevölkerung gegen die kommunistische Regierung im Herbst 1956 kehrten in Österreich nicht nur die alten Ängste vor 44 Ferdinand Graf: Zum besseren Verständnis unserer Neutralität. In: Forvm 3 (1956) H.  26, S.  6–7, hier S.  7. 45 Vgl. Andreas Gémes: Austria and the 1956 Hungarian Revolution: Between Solidarity and Neutrality. Pisa: Plus-Pisa Univ. Press 2008, S.  22. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 560 14 Österreich-Bilder aus dem Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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