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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 562 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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und auf die moralische Verantwortung des Einzelnen hin. Berthold, angeregt durch Berichte im Radio, Gespräche mit seinen Klassenkameraden und Lehrern, aber vor allem auch aus einer inneren moralischen Zerrissenheit den Ereignissen gegen- über, ist fest entschlossen, aktiv an der Revolution teilzunehmen: Wenn ich als Ungar wüßte, was ich zu tun habe, müßte ich es doch jetzt und hier auch wissen! Das Richtige (oder das Rechte? Kann, unter Umständen, etwas, was bestimmt nicht das ‚Rechte‘ ist, dennoch das ‚Richtige‘ sein?) – wird doch nicht von meiner Nationalität und meinem Aufenthaltsort abhängen? Doch! Denn dort handelt es sich um die Befreiung der Heimat, und es ist nicht meine Heimat, die besetzt ist. Nicht heute, aber gestern und vielleicht morgen. (TZ 124) Hier wird klar der Konnex zur Besatzungszeit („gestern“) und zu einer eventu- ellen kommunistischen Bedrohung („morgen“) gezogen, was das Engagement Österreichs angesichts der Krise im Nachbarland politisch eindeutig positioniert. Es ist vor allem die Einsamkeit des Scheidungskindes Berthold, ebenso auch der anderen Figuren, die der Roman zunächst schildert, mit dem die Autorin kaleidoskopartig zeigt, wie „das Leben einzelner Menschen im Kontext des Ungarn-Aufstandes eine neue Richtung nimmt“.49 Berthold versucht, indem er sich auf einem Lastwagen versteckt, der die Spenden der österreichischen Bevöl- kerung nach Ungarn bringt, in das umkämpfte Land zu gelangen. Er beobachtet die vielen Menschen, die zum Haus des Roten Kreuzes unterwegs sind, die „zwei oder drei Durchsagen im Radio hatten offenbar Tausende auf die Beine gebracht, und es waren doch keine Befehle gewesen und auch keine herzbewegenden Appelle, sondern nur, im Anschluß an die Lokalnachrichten, die nüchterne Mel- dung: ‚Das Rote Kreuz ersucht  …‘“ (TZ 132) Vor dem Haus des Roten Kreuzes wird Berthold Zeuge eines Disputs über die österreichischen Hilfsmaßnahmen. Ein nicht näher charakterisierter Spre- cher kritisiert, dass die Hilfsgüter die Aufständischen nicht erreichen würden, woraufhin eine alte Frau erwidert: „‚Mir ist’s gleich, wer’s bekommt, weil, Hun- ger haben die alle. Uns hat man auch geholfen, wie wir hungrig waren, alle haben geholfen, und alle haben bekommen!‘“ (TZ 132). Damit rekurriert die Frau auf die Hilfe der Besatzungsmächte unmittelbar nach Kriegsende. Als eine Stimme aus dem Volk die „wurmigen“ Erbsen, die sogenannte Stalinspende vom Winter 1945 ins Treffen führt, hält ein anderer dagegen, dass es eben diese großzügige, sich vor den Sowjetpanzern nach Österreich retten konnten, gilt unsere besondere Verpflich- tung und Anteilnahme.“ 49 Márta Gaál-Baróti: Die kathartische Wirkung der Ungarischen Revolution in der Tauschzentrale von Erika Mitterer. In: Martin  G. Petrowsky (Hg.): Dichtung im Schatten der großen Krisen. Eri- ka Mitterers Werk im literaturhistorischen Kontext. Wien. Praesens 2006. S.  231–252, hier S.  235. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 562 14 Österreich-Bilder aus dem Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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