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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Besatzungsmedien wird. Wolf, ein ehemaliger Volksschullehrer und einer der „wenigen Kommunisten, die sich während des Krieges zu bescheidener illegaler Tätigkeit bereitgefunden hatten“ (HL 460), arbeitet nach 1945 als Redakteur einer Parteizeitung in Linz und avanciert zu einer „Art Parteikurier“, der zwi- schen Linz und Wien pendelt und seine „journalistische Tätigkeit nur mehr pro forma“ ausübt (ebd.). Schindler, der Wolf persönlich kennt, meint, dieser wäre dazu bestimmt, „es in der Parteihierarchie weit zu bringen“ (ebd.), da er auf ihn den Eindruck „absoluter Zuverlässigkeit“ (ebd.) macht. Als bekannt wird, dass die Amerikaner ihn wegen Spionage verhaftet haben, schreibt ein kommunisti- scher Redakteur der fiktiven Zeitung „Stunde“, dass dies für die Amerikaner nur ein Vorwand gewesen wäre, um „einen aufrechten kommunistischen Publizisten in ihrer Zone unschädlich zu machen“ (HL 461). Darüber hinaus wird auf das Verbrechen hingewiesen, dass ein „Österreicher in Österreich unter falschen Beschuldigungen von ausländischer Polizei“ (ebd.) verhaftet wird. Die kommu- nistische Propagandamaschinerie reagiert, als eine sozialdemokratische Zeitung die Ausführungen der „Stunde“ als „Krokodilstränen der Menschenräuber“ bezeichnet, dementsprechend hart: der sozialistische Leitartikelschreiber wird als „Lügner und Demagoge“ beschimpft (ebd.). Der Fehde der Journalisten folgt ein Prozess wegen Ehrenbeleidigung. Schließlich erfährt Schindler nicht nur, dass Wolf freigelassen werden soll, sondern er wird von einem Oberst der französischen Besatzungsmacht über die wahren Hintergründe von Wolfs Verhaftung aufgeklärt: „Das Ganze war mehr oder minder eine Privatangelegenheit. Ein amerikanischer Offizier hat ihn als Spitzel angezeigt, derselbe, der sich um Wolfs Mädchen bemüht hat.“ (HL 466) Federmanns Text macht deutlich, dass die „Wahrheit“ im Propagandakrieg der verfeindeten Besatzungsmächte auf der Strecke bleibt, da sowohl die Amerika- ner als auch die Sowjets auf ihre eigene Darstellung des Sachverhalts bestehen und die dadurch konstruierte Sicht für ihre eigenen Zwecke zu instrumentali- sieren versuchen: Natürlich werden die Amerikaner das nie veröffentlichen, weil sie sich sonst un- sterblich blamieren würden, und Ihr werdet schon gar nichts darüber schreiben, weil euch sonst euer Held abhanden kommt, der Märtyrer, der unschuldig unter der amerikanischen Knute geschmachtet hat. (HL 467) Kurz nach seiner Entlassung wird Wolf in Wien verschleppt und arg misshan- delt. Wie Schindler erkennen muss, sind es aber diesmal nicht die Amerikaner, sondern seine eigenen Leute gewesen, da der sowjetische Geheimdienst vermu- tete, Wolf habe im Gefängnis Geheimnisse an den CIC verraten. Schindler soll nun in seiner Zeitung die USA beschuldigen, Wolf entführt und misshandelt zu haben. Er sträubt sich dagegen, weil er die Technik kennt, „die Wirklichkeit so Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 606 15 Verschleppung und Menschenraub
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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