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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 632 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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movierte 1938. Als Student war er Mitglied des katholischen Cartellverbands. 1940 zur Deutschen Wehrmacht einberufen, wo er als „Wehrbetreuungs“-Unteroffizier einer Luft- nachrichtenkompanie in Norddeutschland für ideologisch-weltanschauliche Fragen zuständig war. Im März 1946 kehrte er nach Wien zurück. In autobiographischen Aus- sagen und Notizen hielt er seine Tätigkeit in österreichischen Widerstandskreisen fest, jedoch ist seine Verfolgung durch die Gestapo und seine Zeit bei der Wehrmacht aus historischer Perspektive umstritten. Seit 1946 war er Redakteur der katholischen Monats- schrift Wort und Wahrheit sowie Mitarbeiter an der Zeitschrift Die Furche, die sich für eine katholische Erneuerung und eine Versöhnung der politischen Lager in Öster- reich einsetzte. Heer fungierte von 1948 bis 1961 als Redaktionsmitglied der Furche. Er veröffentlichte zahlreiche Aufsätze, Rezensionen, Theaterkritiken, Vorträge, Radiobei- träge und wissenschaftliche Vorlesungen. Heer trat für die Auflösung der Spannungen zwischen Ost und West sowie gegen das Wettrüsten der Supermächte ein. 1949 erschien im Wiener Europa-Verlag das Gespräch der Feinde, ein Plädoyer für den Dialog über kon- fessionelle und ideologische Grenzen hinweg. Seine Gesprächsbereitschaft mit ideologi- schen Gegnern wurde in der kommunistischen Zeitschrift Tagebuch gelobt. Das Thema der Feindesliebe entwickelte Heer in einigen Vorträgen sowie dem Essay Begegnung mit dem Feinde (1955). Wegen seiner Kritik an den sowjetischen Arbeitslagern wurde er von Ernst Fischer angegriffen. 1956 unterschrieb Heer einen Protest gegen den Einmarsch der Truppen des „Warschauer Paktes“ in Ungarn. Ein 1956 in der Furche erschienener Aufsatz, in dem Heer die im Zuge des „Tau- wetters“ entstehenden antistalinistischen Tendenzen der Sowjetunion würdigte, wurde in der österreichischen Presse stark kritisiert. Heer galt als „Linkskatholik“, der offen für kritische Ideen war. Anlässlich seiner Ernennung zum Dramaturgen am Burgtheater 1961 kam es zu Vorwürfen wegen Mitläufertum und Vorschubleistungen gegenüber dem Sowjet-Kommunismus, die u.a. von Hans Weigel und Friedrich Torberg vorgebracht wurden. Von Torberg als „Abraham a Santa Unclara“ bezeichnet, verteidigte ihn Viktor Matejka im Tagebuch. 1950 erschien Heers utopischer Roman Der achte Tag im katho- lischen Tyrolia-Verlag. Um seine wissenschaftliche von der literarischen Tätigkeit zu trennen, veröffentlichte er das Buch unter dem Pseudonym Hermann Gohde. Der Roman befasst sich mit der Rolle des Christentums in einem zukünftigen totalitären Weltstaat. Neben der positiven Rezeption des Romans in der Tradition der utopischen Literatur führte die kirchenkritische Dimension des Werks zur Diskussion sowohl über theolo- gische als auch literarische Fragen. In der den Roman betreffenden öffentlich ausgetra- genen Auseinandersetzung mit dem katholischen Volksbildner Ignaz Zangerle ging es u.a. darum, ob die Gefahr eines kommenden Weltkriegs durch die politische Gefahren- lage bedingt sei oder durch den Unglauben vieler Katholiken. Zangerle sah auch in der Beschreibung der totalitären Gesellschaft eine Gefahr, da diese durch ihre suggestive Wirkung Diktaturen den Weg bereiten könnte. Obwohl er in akademischen Kreisen umstritten war, wurde ihm 1961 eine außerplanmäßige Professur an der Universität Wien verliehen. Bis 1971 war er als Dramaturg am Burgtheater tätig, anschließend folg- Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 632 Autorinnen- und Autorenlexikon
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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