Page - 640 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Image of the Page - 640 -
Text of the Page - 640 -
Benedikt Mörl: Leo Katz – sein Leben und seine Sicht des Judentums. Wien: Dipl.-Arb. 1996.
Marcus G. Patka: Leo Katz – Synthese von Judentum und Kommunismus. In: Marcus G. Patka
(Hg.): Zu nahe der Sonne. Deutsche Schriftsteller im Exil in Mexiko. Berlin: Aufbau 1999,
S. 189–198.
Paul Anton Keller
geboren am 11.1.1907 (Radkersburg), gestorben am 20.10.1976 (Hart bei Graz), stamm-
te aus einer in der Steiermark ansässigen Schauspielerfamilie. Neben seiner Lehre als
Fotograf besuchte er 1922/23 die Schauspielschule und das Konservatorium. Schon mit
zehn Jahren nahm er mit einem selbstverfassten Text an einem Preisausschreiben teil,
mit 17 Jahren gab er den Gedichtband Erleben im Eigenverlag heraus. 1931 folgte ein
weiterer Gedichtband – Gesang vor den Toren der Welt, woraufhin Keller als freier Schrift-
steller zu leben versuchte. Ab den 1930er-Jahren veröffentlichte er literarische Texte in
Zeitschriften mit zum Teil deutschnationalem Hintergrund und in weiterer Folge auto-
biographisch geprägte Erzählungen, Anekdoten, heimatbezogene Lyrik sowie „Tierge-
schichten“ und „Landschaftsbücher“ wie Das Sausaler Jahr (1941) oder Burgfahrten in
Steiermark (1962). Er orientierte sich stark in konservativer Richtung und bewegte sich
in völkischen Kreisen. So unterhielt er Freundschaften mit Max Mell, Josef Friedrich Per-
konig und Josef Weinheber, denen er als „Dreigestirn“ ein Buch widmete. Am 1.6.1933
trat Keller der NSDAP bei und später dem 1936 gegründeten Bund deutscher Schriftstel-
ler Österreichs (BdSÖ), einer getarnten nationalsozialistischen Organisation. Offiziell
war er ab 1.7.1938 Mitglied der Reichsschrifttumskammer, ab 4. oder 28.4.1939 deren
Leiter für die Steiermark. Er gab die Buchreihe Der Kranz heraus, wo u.a. 1943 die Wer-
ke von Peter Rosegger publiziert wurden.
1945 schien Keller kurzzeitig Probleme mit der russischen Besatzungsmacht bekom-
men zu haben. In seiner Korrespondenz mit Perkonig beschreibt er diese als gewalttätig;
sie habe seinen Wohnsitz beschlagnahmt. Ab 1946 konnte Keller, dessen literarische Wer-
ke in Österreich offiziell gesperrt waren, seinen Unterhalt als Obst- und Weinbauer sowie
Bienenzüchter bestreiten, was ihm dank seines umfangreichen Landbesitzes möglich war.
Er publizierte allerdings schon vor der offiziellen Aufhebung seines Schreibverbots am
27.10.1948 oder nach dem 18.11.1948 bzw. 13.1.1949 wieder zwei Bände und trat der
ÖVP bei. Ab 1948 erschienen regelmäßig wieder zahlreiche heimatverbundene Erzäh-
lungen, Lyrik und Anekdoten unter seinem Namen. Texte aus der NS-Zeit, versehen mit
kleinen Änderungen, wurden wiederabgedruckt. Autobiographische Erinnerungen hat
er in den Büchern Jahre, die gleich Wolken wandern (1948), Gast der Erde (1957) und Zum
Sehen geboren (1972) hinterlassen. In den 1950er-Jahren verfasste er einige Abenteuer-
romane und Jugendbücher. In seinem Jugendbuch Gefährliche Grenze, das 1956 im Öster-
reichischen Bundesverlag erschienen ist, wird die Geschichte von zwei Kindern erzählt,
deren einziger Verwandter, ihr Großvater, sich hinter dem Eisernen Vorhang nahe der
österreichisch-ungarischen Grenze befindet. Zusammen mit einem Hund, dem sie das
Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
640 Autorinnen- und Autorenlexikon
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Title
- Diskurse des Kalten Krieges
- Subtitle
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Size
- 15.9 x 24.0 cm
- Pages
- 742
- Categories
- Geschichte Nach 1918