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sam mit Helmut Qualtinger, Michael Kehlmann und Gerhard Bronner das Kabarettpro-
gramm Das Brettl vor dem Kopf sowie von 1953 bis 1955 eine Radiosendung mit
demselben Titel, die im amerikanischen Besatzungssender „Rot-Weiß-Rot“ (RWR) aus-
gestrahlt wurde. Ab 1955 schrieben Merz und Qualtinger die Kolumne Blattl vor’m Mund,
die bis 1963 in der Tageszeitung Kurier (Graz) erschien. Ein Kabarettprogramm, das im
Herbst 1956 startete, trug denselben Titel. Weitere Kabarettprogramme wie Glasl vor’m
Aug’, Dachl überm Kopf und Hackl vor’m Kreuz folgten. Vor allem die darin enthaltenen
Mittelstücke wie Fahrt ins Rote, Geisterbahn der Freiheit oder Gespenst auf Reisen oder
der westöstliche Iwan setzten sich in satirischer Form mit dem Kommunismus auseinan-
der. Friedrich Torberg widmete den Programmen wohlwollende Besprechungen im For-
vm und (Neuen) Kurier. Hans Weigel hat selbst an Aufführungen unter der Regie von
Merz mitgewirkt. Neben den Programmen fürs Kabarett haben Merz und Qualtinger
auch einige Bühnenstücke parodistisch bearbeitet. 1953 wurde bei den Wiener Festwo-
chen ihre Nestroy-Adaption Haus der Temperamente aufgeführt. Das im Nachlass von
Merz erhaltene Typoskript enthält handschriftliche Textänderungen, welche die Hand-
lung mit Blick auf die vierfache Besatzung Österreichs aktualisieren. Die Aufführung
erhielt viele positive Besprechungen, wurde zum Teil aber als leichte Unterhaltung kriti-
siert. Bei dem Stück Marx und Moritz. Ein west-östliches Hindernisrennen in einem Start-
schuß und fünf Teilstrecken, das am 31.3.1958 am „Intimen Theater“ Premiere hatte, wirk-
te neben Bronner auch Hans Weigel beim Verfassen der Couplets mit. Auch hier wurde
seitens der Kritik der Fokus auf Äußerlichkeiten und Stereotypen bemängelt. Merz und
Qualtinger arbeiteten bis Anfang der 1960er-Jahre weiter an gemeinsamen Stücken, dar-
unter dem 1961 fürs Fernsehen entstandenen weitgehend monologischen Bühnenwerk
Der Herr Karl. Merz schrieb außerdem Programme für Musical und Fernsehen sowie
Drehbücher und Romane.
Quellen:
Sylvia Gleitsmann: Carl Merz. Univ.-Diss.: Wien 1987.
Arnold Klaffenböck, Wolfgang Kos, Ulrich N. Schulenburg, Alexandra Hönigmann (Hg.): Quasi
ein Genie. Helmut Qualtinger (1928–1986). Wien: Museen der Stadt Wien 2003.
Johann Nestroy: Das Haus der Temperamente. Posse mit Gesang in zwei Akten. bearb. v. Carl
Merz und Helmut Qualtinger für die Aufführung im Volkstheater bei Wiener Festwochen 1953.
[Wir danken Arnold Klaffenböck für die Überlassung einer Kopie des Typoskripts, die aus dem
Nachlass von Carl Merz in der Niederösterreichischen Landesbibliothek stammt.]
Erika Mitterer
geboren am 30.3.1906 (Wien), gestorben am 14.10.2001 (Wien).
Mitterer wuchs in einer bürgerlichen Wiener Familie auf. Sie absolvierte eine sozialpäd-
agogische Ausbildung und arbeitete mehrere Jahre lang als Fürsorgerin. In ihrer Jugend
erfolgten erste Schreibversuche, 1924 bis 1926 stand sie in einem lyrischen Briefwechsel
mit Rainer Maria Rilke. Ab 1927 pflegte sie Kontakte mit literarischen Kreisen, darunter
647Autorinnen-
und Autorenlexikon
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Title
- Diskurse des Kalten Krieges
- Subtitle
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Size
- 15.9 x 24.0 cm
- Pages
- 742
- Categories
- Geschichte Nach 1918