Page - 656 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Image of the Page - 656 -
Text of the Page - 656 -
erschienenen Roman Es muss nicht immer Kavier sein erfolgt schließlich Simmels Durch-
bruch zum internationalen Bestsellerautor. Sein Roman Soldatensender Calais erscheint
ebenfalls 1960, jedoch unter dem Pseudonym Michael Mohr. Nach einer Schreibpause
zum Zweck der Überwindung des Alkoholismus 1961 lebt Simmel als freier Schriftsteller
in verschiedenen Staaten (Deutschland, Monaco, Frankreich, Schweiz). Die hohen Auf-
lagenzahlen und die internationale Verbreitung seiner Romane ermöglichen es dem Autor,
von seiner künstlerischen Tätigkeit zu leben und den Journalismus aufzugeben.
Seine Erzählungen, Romane und Kinderbücher behandeln zeitkritische Thematiken
in einer auf journalistische Arbeitstechniken gestützten, unterhaltsam zu lesenden Form;
thematisch stellt das Engagement gegen den NS-Faschismus, den Krieg und die systema-
tische Unterdrückung einzelner sozialer Gruppen einen wichtigen Schwerpunkt dar.
In der Universität Boston gibt es eine umfangreiche „Johannes Mario Simmel Collec-
tion“, 1985 wurde er mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich ausge-
zeichnet.
Quellen:
Kurt Böttcher [u.a.]: Simmel, Johannes Mario. In: Ders. (Hg.): Lexikon deutschsprachiger Schrift-
steller. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. [Begr. von Günter Albrecht.] Bd. 2, 20. Jahrhun-
dert. Hildesheim [u.a.]: Olms 1993, S. 692 f.
Wolfgang R. Langenbucher (Hg.): ‚Berichte über die Zeit, in der ich lebe
...‘ Johannes Mario Simmel
und seine Romane. Eine Dokumentation. München, Zürich: Droemer Knaur 1978.
Viktor Matejka an Herbert Steiner. Brief vom 24.3.1979. Dokumentationsarchiv des österreichi-
schen Widerstands, Sign.: 50126/NMa12.
Martin Wedl: Johannes Mario Simmel. Journalist und Schriftsteller im Wien der Nachkriegszeit bis
1953. Eine Analyse. Wien: Dipl.-Arb. 2003.
Wilhelm Ziehr [u.a.] (Hg.): Schweizer Lexikon. 6 Bde. Bd. 5, Obs–Soy. Luzern: Verl. Schweizer
Lexikon 1993, S. 811.
Friedrich Torberg
(eigentlich: Friedrich Ephraim Kantor) geboren am 16.9.1908 (Wien), gestorben am
10.11.1979 (Wien). Torberg entstammte einer deutsch-jüdischen Prager Familie, wuchs
in Wien auf und verfasste bereits als Jugendlicher Gedichte. 1930 feierte er mit seinem
Debütroman Der Schüler Gerber hat absolviert einen großen Erfolg. In den 1930er-Jah-
ren arbeitete er am Prager Tagblatt als Wiener Kulturberichterstatter sowie als Sport-
und Theaterkritiker mit und pendelte zwischen Prag und Wien. Nach der Machtergrei-
fung der Nationalsozialisten 1933 wurde er in Deutschland mit einem Publikationsverbot
belegt. Er bezog Position gegen den österreichischen Ständestaat, veröffentlichte in der
Weltbühne Kampfartikel gegen die Nationalsozialisten und kritisierte Intellektuelle, die
sich dem NS-Regime andienten.
Während des „Anschlusses“ Österreichs im März 1938 befand sich Torberg in Prag,
emigrierte nach Zürich, erhielt eine Einreiseerlaubnis nach Frankreich und meldete sich
Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
656 Autorinnen- und Autorenlexikon
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Title
- Diskurse des Kalten Krieges
- Subtitle
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Size
- 15.9 x 24.0 cm
- Pages
- 742
- Categories
- Geschichte Nach 1918