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Matthias Marschik
7 Sport indenMedien
Der Sport, vom professionellen Fußball über die Olympischen Spiele bis hin
zumHandballspiel, zumNeulings-Boxturnier oder zur Frauen-Leichtathletik-
meisterschaft, hatte sich einen fixen Ort in den österreichischenMedien der
Zwischenkriegszeit erobert. KeineTageszeitungderErstenRepublik kamohne
Sportteil aus.AuchdieArbeiter-Zeitung, dieaufdasproletarischeSportgesche-
hen fokussierte, sah sichgezwungen, regelmäßigüberdiebedeutendenEreig-
nisse des bürgerlichen und des Profisports zu berichten. Und selbst die kom-
munistische Rote Fahne kam am Sport nicht vorbei. Sie beinhaltete neben
einigenHinweisen auf kommunistische Sportveranstaltungen stets auchArti-
kel zu allgemeinen Sportthemen, freilich mit durchwegs kritischem Tenor.
Ebenso setzte das Mitte der 1920er-Jahre aufkommende Radio, sowohl die
RAVAGwie derArbeiter-Radio-BundÖsterreichs (ARABÖ), schon sehr früh auf
aktuelle Sportberichteund -reportagen.
Ein „Mediensport“ im engerenWortsinn, wonach die Medienrealität der
SportrezeptionmassivvomErlebenvorOrtabwichundsichdieSportereignisse
unmittelbar an die Bedürfnisse der Medienberichterstattung anpassten, lässt
sich wohl erst ab der Popularisierung des Fernsehens in den 1960er-Jahren
konstatieren.1Dennochkannschon inderErstenRepublik von„Mediensport“
gesprochenwerden,wennmanberücksichtigt, dass der Großteil des Sportge-
schehens eben nichtmehr über denAugenschein direkter Anwesenheit, son-
dernüber denFilter derMedienundausder Sichtweise von Journalisten rezi-
piertwurde.2Doch selbstwer bei einemEreignis live zugegenwar, erfuhr aus
denMedienzusätzlicheHintergründe,wiedasEventabgelaufenundwarumes
zumErgebnis gekommenwar. Die emotionaleUnmittelbarkeit desDabeiseins
wurde dabei durch eine lineare und reflexive Distanz ersetzt oder zumindest
ergänzt,was einegeänderte FormdesErlebens erzeugte.
FragennachdemRaum,denHandlungsoptionen,der Identitätebensowie
nach der Fremdwahrnehmung jüdischer Sportfunktionäre kommenalso nicht
ohne einen genauen Blick auf die zeitgenössischenMedien und ihre Inhalte
1 Jürgen Schwier (Hg.), Mediensport. Ein einführendes Handbuch (Hohengehren 2002); Otto
Penz, Produktion und Kodes desMediensports. In: MatthiasMarschik, RudolfMüllner (Hg.),
Sind’s froh,dassSie zuHausegebliebensind.MediatisierungdesSports inÖsterreich (Göttin-
gen 2010) 38–50.
2 MatthiasMarschik,ModerneundSport. TransformationenderBewegungskultur. In:Matthi-
asMarschik, RudolfMüllner, OttoPenz, GeorgSpitaler (Hg.), Sport Studies (Wien 2009) 23–34.
Open Access. © 2019 Matthias Marschik, publiziert von De Gruyter. Dieses Werk ist
lizenziert unter der Creative Commons Attribution 4.0 International Lizenz (CC BY 4.0).
https://doi.org/10.1515/9783110553314-007
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918