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162 7 Sport in den Medien
zensport. Vermehrt wurde in Form von Kolumnen aber auch die Information
überHintergründeoderDetailwissenüberStars,Vereine,Verbändeoder spek-
takuläre Ereignisse mit einbezogen. Spieler und Trainer, Experten und auch
Funktionärewurden in Interviews um ihreMeinung gefragt. Fotos trugen zur
Veranschaulichung, Karikaturen zur Reflexion des geschriebenen Textes bei.
Und je mehr Raum die Sportberichte einnahmen, desto strikter wurde die
Sportrubrik, oft auch schon eine ganze Sportseite, vom restlichen Inhalt der
Zeitung getrennt. Selbst Zeitungenmit dezidiert politischemStandpunkt bzw.
religiös oder weltanschaulich gebundene Presseerzeugnisse, von der christ-
lichsozialen Reichspost und der kommunistischen Roten Fahne bis zur natio-
nalsozialistischenDeutschösterreichischenTageszeitung, berichtetennach 1918
über Sportthemen.
AuchabseitsderTageszeitungenwurdederSport zumwesentlichenMedi-
eninhalt. Zumeinen lieferte das neue Format der Bildillustrierten zwar kaum
aktuelle Informationen, untermalte aber das Sportgeschehenmit Fotografien
von Sportereignissen des In- undAuslandes. Zum anderen reflektierten zahl-
reiche Wochenjournale, man denke nur an Emil Reichs Analysen im Neuen
Wiener Journal,9 die aktuellenGeschehnisse, liefertenHintergrundwissenund
eine – oft essayistisch verpackte – Einordnung undKritik.Wesentlich ausge-
baut wurdemit zunehmender Popularität des Sports auch das Spektrum der
Vereins- und Verbandszeitungen, die ihre Anliegen und Sichtweisen in der
Massenpresseoftnurungenügendvertretensahen:Das traf inbesondererWei-
seetwaaufdenArbeiterInnensportoderaufdenzionistischenSport,aberauch
aufdie Turnbewegungzu.
Daneben entwickelte sich in der Zwischenkriegszeit ein breites Spektrum
von oft kurzlebigen Sportzeitungen, meist mit regionalem Schwerpunkt oder
mit Fokus auf eine bestimmteSportart. VomAlpenländischen Sportblattbis zu
Sport imWinter, vonderAllgemeinenÖsterreichischenProvinz-Sport-Zeitungbis
zurRadsport-Zeitungund vom Fußball-Sonntag bis zu einer erklecklichenAn-
zahl automobilsportlicher Zeitschriftenwurden spezielle Aspekte des Sportle-
bens beleuchtet. Im Gegensatz zu den Vereins- und Verbandspublikationen
dürfte indiesemSpektrumderSportpublizistikabervielfachwederdie finanzi-
elleBasisnochdas InteressederLeserInnenausgereichthaben:MitAusnahme
derAuto-, Flug-undMotorradzeitungenwarendieseZeitschriftenoft billigge-
machtundwenigerfolgreich.DiesozialdemokratischenBlätterwurdenimFeb-
ruar 1934verboten.
Ungleich beliebter und auch langlebiger waren hingegen die wenigen
überregionalen Sportblätter: Neben SilberersAllgemeiner Sport-Zeitung traten
9 Vgl. dazudieCase Study zuEmilReich indiesemKapitel.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918