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Case Study: Wiener Sport im Feuilleton 179
Gebarungunserer großenFußballvereinemuß reformiertwerden, unddadarf
mandasHaupt, die Leitung, nicht vergessen.“58
ReichsVorstellungen fürdenProfifußball tendiertenklar inRichtungwei-
terer Ökonomisierung und Professionalisierung: Nicht die „Orthodoxen, die
professionellenScheinamateurismuswollen“, sonderndie„Modernen“,dieei-
nen „A.-G.-Professionalismus erstreben“, sollten die Entwicklung bestimmen:
„EinProfessionalklub ist einGeschäftunddamit esein reinlichesundkontrol-
lierbaresGeschäftsei,mußalserstesGebotaufgestelltwerden: JederProfessio-
nalklub ist eine A.-G.!“ Das bedinge allerdings eine neue professionelle Art,
Vereinezu führen. „AktiengesellschaftundVereinsmeierei istunvereinbar.Die
Vereinsmitglieder müssen aus den Klubs hinaus“, zumindest in dem Sinne,
dass sie keinMitspracherechtmehrhätten.59DassdieweitereEntwicklung im
WienerFußballnicht imSinneReichswaroder ihmzumindestviel zu langsam
ging, belegt einer seiner letztenTexte imNeuenWiener Journal: Noch imMärz
1929 verwies er in einer satirischenBeschreibungeinerAusschuss-Sitzungder
Profiklubs einerseits auf dieMacht, andererseits die Unfähigkeit der Funktio-
närsriege.60
JüdischePersönlichkeiten
WasseineeigeneVereinspräferenzbetrifft,hielt sichEmilReich inseinenArti-
keln bedeckt. Dass er relativ häufig über die Hakoah schrieb, kann einer An-
hängerschaft (immerhinwar er inderGründungsphaseVizepräsident) ebenso
entwachsen seinwie der paradigmatischenVerortung des Klubs vomAufstei-
ger zumerstenProfessionalmeisterunddemdarauf folgendensportlichenAb-
stieg. Kein inhaltliches Naheverhältnis zeichnet sich zu den Amateuren bzw.
zumFKAustria ab. Allerdings fällt Reichs Insiderwissenbezüglichdieser bei-
denKlubs auf. In derenBeschreibung scheint er geradezudarauf bedacht ge-
wesen zu sein, Worte wie „jüdisch“ und „zionistisch“, aber auch „national“
oder„antisemitisch“ radikal zuvermeidenundsie inacht Jahrenkeineinziges
Mal zu verwenden. Er legte großenWert darauf, die Hakoah und die Austria
als Vereine wie alle anderen zu beschreiben, ausgezeichnet höchstens durch
einebesondereFinanzkraft undaußerordentlicheSporterfolge. EmilReichhat
alsoweder die Hakoah noch die Austria als besondere Klubs beschrieben, er
bemühte sich jedoch, siealsMitgliederder imÜbergangzumoffenenProfessi-
58 EmilReich, Profi-Gagen. In:NeuesWiener Journal (25.4. 1926) 19.
59 EmilReich, A.-G.- Professionalismus. In:NeuesWiener Journal (29. 11. 1925) 19.
60 EmilReich, Fußballbrüderschaft. In:NeuesWiener Journal (17. 3. 1929) 19.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918