Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Page - 180 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 180 - in Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938

Image of the Page - 180 -

Image of the Page - 180 - in Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938

Text of the Page - 180 -

180 7 Sport in den Medien onalismusbefindlichenWienerFußballkulturzuverstehen. InderFolgegilt es nachzuprüfen, ob sich diese „neutrale“ Position,mithin derVersuch, jegliche jüdischeDifferenzzumindest literarischauszublenden,auch inderCharakteri- sierungvonEinzelpersonen,vonStarsdesSportsoderLenkerndersportlichen Rahmenbedingungen,nachzeichnen lässt. Schon in seinenReminiszenzenandieAnfängedesFußballs inWienver- gisst Emil Reich nicht implizit auf den Beitrag von Juden in der Etablierung des Sports hinzuweisen,weder auf dieMithilfe desNathaniel Rothschild, der, weil es ohne sein aktives Zutun geschah, als „illegitimer Vater“ des Spiels in Wien apostrophiert wird,61 noch auf dieMitwirkung jüdischer Industrieller in denersteneinheimischenTeams,wobei erbesondersaufden„Großindustriel- le[n] AugustWärndorfer […] in denReihen der Vienna“ verwies.62 Doch auch in seinem Lob auf das Mäzenatentum, das Reich zur unverzichtbaren Stütze des Erstliga-wie des unterklassigen Fußballs inWien stilisierte, kamer ohne jede (anti-)jüdischeAnspielungaus.63Erunterschiedgrundsätzlich inPseudo- mäzene,dieaus ihrer finanziellenFörderungProfit schlagenwollten,undech- teFußballenthusiastenund„Klubkavaliere“,denenerdifferenteBeweggründe unterstellte: „Die einenopfern als alte Fußballer aus reiner Sportbegeisterungoder aus Liebe zudem Klub, dessenAnhänger sie schon seit vielen Jahren sind, die anderen aus Eitelkeit, weil sie eine Rolle spielen, imVordergrund stehen, Reden halten und in Zeitungen genannt sein wollen, wieder andere, weil sie mit irgendeinem hervorragenden Spieler verwandt oder verschwägert sind.“64 AlledreiGruppenseien jedenfalls, sofern sie sichnicht ins Tagesgeschäft ein- mischten, für den Fußball unverzichtbar. Den Pseudomäzen hingegen, egal ob er er „Huber oder Kohn“ heiße, der seine Unterstützung finanziell wieder hereinbekommenwolle, traf Emil Reichs volle Verachtung: Diese „Schieber“, denenesumAufmerksamkeitundumProfit gehe,müsstenspätestens impro- fessionellenFußballausdenKlubsentferntwerden.65WodieGrenzezwischen denbeidenGruppenvonMäzenen zu ziehenwar, das konnteReich inmehre- renArtikeln freilichnicht klar darlegen. 61 EmilReich,Rothschild,der illegitimeVaterdesWienerFußballs. In:NeuesWiener Journal (12. 11.​ 1922) 8. 62 EmilReich, Der rasche Siegeszug des Fußballs inWien. In: NeuesWiener Journal (19. 11.​ 1922) 8f. 63 EmilReich, Der Fußballmäzen. In:NeuesWiener Journal (16.3.​ 1924) 17. 64 EmilReich, Fußballmäzene. In:NeuesWiener Journal (23. 5.​ 1925) 19. 65 EmilReich, Fußball-Schieberdämmerung. In:NeuesWiener Journal (25. 1.​ 1925) 17.
back to the  book Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938"
Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Title
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Subtitle
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Authors
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
376
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Sportfunktionäre und jüdische Differenz