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186 8 Konflikte
innerhalbderzionistischen(Sport-)BewegungundihrenführendenFunktionä-
ren führte, diemehrmals wegen differierender Ansichten in dieser Frage de-
missionierten.Sowar imJahr1929derSchriftstellerundLibrettistFritzLöhner-
Bedaals Präsident derHakoahzurückgetreten.Dies sei „auspolitischenMoti-
ven verursacht worden [...]. Ein von ihm gestellter Antrag, daß die Mitglied-
schaft einer anderenals einer jüdischenpolitischenPartei unvereinbar ist, sei
[...] zurückgewiesen worden, da man Repressalien der sozialdemokratischen
Partei befürchtenmüsse.“12 Hintergrund der jahrelangen Querelen innerhalb
desSCHakoah,aberauchzwischendemSport-unddemausgegliedertenFuß-
ballklub waren jedenfalls gravierende Meinungsverschiedenheiten über die
primäre Agenda der Hakoah: Offensive und internationale Werbung für den
Zionismus (verbundenmit Spitzen-undWettkampfsport) standdabeider Idee
der Ausbildung einer starken jüdischen Jugend (verbundenmit Breitensport)
für viele Jahre unvereinbar gegenüber. Dass der jeweilige majoritäre Stand-
punkt desHakoah-Vorstandesmit denaktuellenErfolgenderHakoah-Sportle-
rInnenkorrelierte, istdenSportseitender zionistischenPresseebensodeutlich
zuentnehmenwiediedamit verbundenenRochaden inderVereinsführung.
Die Höhe der zumindest anfänglich investierten Summen im Fußball
machte dieHakoahaber auch zur ZielscheibewütenderAngriffe derArbeiter-
Zeitung,derenArtikel oft zugleichals linkeKritik andenkapitalistischenAus-
wüchsendes professionellen Fußballbetriebs und–damit nicht notwendiger-
weise inWiderspruch stehend – als antisemitische Angriffe zu lesen waren.
Jüdische Funktionäre und deren „Preßheerbann“, die jüdischen Journalisten
(etwa der „Börsen-Kolisch, Auskneif-Steiner, Willy Meisl“ und die „anderen
Schwachköpfe“),13 waren oft Zielscheibe polemischer, sehr persönlich formu-
lierter antisemitischerAngriffe. SoschriebWillySchmieger, ebenfallsmit anti-
semitischemUnterton, über die SportredaktionderArbeiter-Zeitung: „Ichken-
nedieHerrennicht,abernachdemwassieschreiben,stelle ichmirunter ihnen
ganz sonderbare Naturerscheinungen vor, die allerdingsmit einem christlich-
germanischen Schönheitsideal, wenn es ein solches gibt undwie immerman
es sichvorstellemöge, verfluchtwenigÄhnlichkeit besitzendürften.“14
EinweitererPunkt, andemsich innerverbandliche, inderFolgeaberauch
mediale Konflikte entzündeten, war jener einer „jüdischen Nation“,15 wie er
12 DieNeueWelt (1. 11. 1929) 10.
13 Arbeiter-Zeitung (28. 12. 1924) 12.
14 Illustriertes Sportblatt (3. 10. 1925) 6.
15 ZurFrageder„jüdischenNation“vgl.EvaKreisky, SaskiaStachowitsch, JüdischeStaatsper-
spektiven:Kosmopolitismus,AssimilationismusundZionismus. In:EvaKreisky,SaskiaStacho-
witsch (Hg.), Jüdische IdentitätenundantisemitischePolitiken imösterreichischenParlament
1861bis 1933 (Wien/Köln/Weimar 2017) 35–60.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918