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Nach 1918
Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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Case Study: Wie Julius Deutsch vor Gericht seine Ehre verlor 199 DieVerhöhnungdesalsTell verkleidetenDeutschverweist auf einen fürunser Buch zentralenAspekt des Prozesses: Dieser fand,wie erwähnt, in einem für Deutsch feindlichen Territorium statt, zu einer Zeit, als in zahlreichen west- österreichischen Fremdenverkehrsgemeinden der „Sommerfrischenantisemi- tismus“ erste Höhepunkte erreichte.71 Folgerichtig wurde der Schauplatz des Zwischenfalls, der Strudengau, von der Verteidigung als deutsches Kernland beschrieben. „Dr. Gürtler erinnerte daran, daß das Nibelungenlied die deut- sche Treue verherrlicht undman es dem Beschuldigten nicht verargen darf, wenneramNibelungenstromdenVerrat andeutscherTreuealsSchufterei be- zeichne.“72 ImHinblick auf die Frage von Identitätspolitik und jüdischerDifferenz im Wiener Sport lässt sich festhalten:DieAuseinandersetzung zwischenDeutsch und seinen Kontrahenten und die beiden folgenden Gerichtsverhandlungen machtendeutlich,dassdieösterreichischenBerg-undTourismusregionen,wie Deutsch inseinenTextenzumSport selbst festhielt, inden1920er-und1930er- Jahren ein zutiefst politisierter Ort waren. Als Wiener Sozialdemokrat setzte sichDeutsch indieser latent feindlichenUmgebungderGefahraus, gegensei- nenWillenals „jüdischerMarxist“ angegriffenund„enttarnt“ zuwerden. Anders als vieleVertreterdesbürgerlichenSports, deren Judentumgerade in jenen Vereinen, die in der kulturellen Topografie desWiener Sports nicht als „jüdisch“ identifiziertwurdenundals „bodenständig“galten,diskursivoft zumVerschwindengebrachtwurde, befand sichDeutsch in seinemSelbstent- wurf als Sozialdemokrat, der sich von der jüdischen Familientradition gelöst hatte, auch imFelddesSportsundder alpinenFreizeitkultur in einemDouble Bind seiner laizistischen Ideologie, die FragenderReligionundHerkunft aus- klammerte,unddemantisemitischenStereotypder„jüdischenSozialdemokra- tie“. 71 In den 1920er- und 1930er-Jahren warben mindestens 60 österreichische Orte mit der „Ablehnung jüdischer Sommergäste“, Oberösterreich bildete dabei ein Zentrum. Vgl. Albert Lichtblau, Ambivalenzender Faszination: Sommerfrische&Berge. In:Hanno Loewy,Gerhard Milchram (Hg.), Hast dumeineAlpen gesehen?Eine jüdischeBeziehungsgeschichte (Ausstel- lungskatalog,Hohenems 2009) 116–130, hier 121f. 72 Reichspost (12.6.​ 1923) 7.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Title
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Subtitle
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Authors
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
376
Categories
Geschichte Nach 1918
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