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Nach 1918
Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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Publikumsausschreitungen 207 Sport-Club zu belegen, werden primär zwei Spiele vom November 1923 und vomMärz 1927 genannt.106 Anhand der Diskurse umdiese Spiele lassen sich Fragen von jüdischer Differenz im Wiener Fußball, Wechselwirkungen zwi- schen politischen und sportlichen Auseinandersetzungen, aber auch unter- schiedlicheKonfliktlinienbzw.Motivlagender beteiligtenKontrahentennach- zeichnen. Das Jahr 1923war eine politisch aufgeheizte Phase, in der antisemitische Tendenzen inWienmassivanRaumgewannen.DieausderKriegs-undNach- kriegszeit bzw. Inflationsära stammendenZuschreibungen („JüdischeSchieber undSpekulanten“)warennochfrisch,dasLandbefandsich inderTransitions- phase im Rahmen der Genfer Protokolle, hin zur Einführung der Schilling- Währung. Im Oktober 1923 fanden Nationalratswahlen sowie Landtags- und Gemeinderatswahlen inWienstatt,beidenendieantisemitischenChristlichso- zialen, aber auch die Sozialdemokraten Stimmen gewannen, während die Großdeutsche Volkspartei relativ schlecht abschnitt. Ein Ergebnis war die Gründung der Deutschnationalen Partei, die radikalen Antisemitismus als zentralenPunkt ihresProgrammes führte. „Die Judenfrage istkeineReligions-, sondern eine Rassenfrage […] Das Judentummuß außerhalb der deutschen Volksgemeinschaft und unter Ausnahmegesetze gestellt werden.“107 Auch in der Sportorganisation spielte derAntisemitismusbereits eine großeRolle. Der Österreichische Skiverband führte imOktober 1923 einenArierparagrafen ein, imAlpenvereinhatten ihnbereits zahlreicheSektioneneingeführt,dieDiskus- sionumeineEinführung imGesamtvereinwar imGange.108 Indieser Stimmung fandeinSpiel zwischenSport-ClubundHakoah statt, dasdie IllustrierteKronen-Zeitungsokommentierte:„DasWettspiel,das traditi- onsgemäßzudenfairstenderSaisongehört fanddiesmaleinvorzeitiges,uner- quickliches Ende.“109 Das Spiel wurde abgebrochen, weil sich zwei ausge- schlossene Hakoah-Spieler weigerten, das Spielfeld zu verlassen.110 Aus der LektürederdiversenMedienberichte liegtderSchlussnahe,dassderSpielver- laufselbstAuslöserderZwischenfällewar.DochmöglicherweisehattediePoli- tikdieAktionenderZuschauerInnenverstärkt,undsicherhattesiedieBericht- erstattung beeinflusst, vor allem in den antisemitischen und zionistischen 106 MichaelAlmási-Szabò,VonDornbach indieganzeWelt.DieGeschichtedesWienerSport- Clubs (Wien 2010) 40; John, Antisemitismus, 207. 107 ÖStA/AdRBKABKA-I/BPDionWienBerichte, 1919–1938/November 1923/Deutschnationa- le Partei.Wien, imNovember 1923.Abschrift. 108 ZudenArierparagrafenvgl. Kapitel 2. 109 IllustrierteKronen-Zeitung (5. 11.​ 1923) 10. 110 Illustriertes Sportblatt (10. 10.​ 1923) 8.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Title
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Subtitle
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Authors
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
376
Categories
Geschichte Nach 1918
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