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220 8 Konflikte
ohneHämewurdeberichtet, dassRapid imHerbst 1919 seinen jüdischenVize-
präsidentenFeßler, „dessen freigebigeBrieftascheoftundoftausgeholfenhat-
te, der zu den Pionieren des Vereins zählte“, einfach abserviert und aus dem
Verein ausgeschlossen hatte.162 Vielfachwurde einem solchen „assimilierten“
Judentumaber auch unterstellt, den Sport nur zur Befriedigung persönlichen
Ehrgeizeseinzusetzen,dessenhöhereZieleaberzuvergessen.Umgekehrtwur-
den „jüdische“ Funktionäre ohneNähe zumZionismus auch schon einmal zu
Freunden der Hakoah gemacht: Als der Klub 1933 eine Finanzkrise überstan-
denhatte,danktemanallenHerren,„diesichumdieHakoahverdientgemacht
haben“, und nannte dabei neben Meisl besonders Dr. Gerö vom WFV und
Dr. Schwarz vonderAustria, aber auchdenNationalsozialistenRichardEber-
staller.163
Arier, AntisemitenundKonvertiten
DieVerwendungderBegriffe „assimiliert“ bzw. „Assimilanten“ inder zionisti-
schen Presse war nicht stringent: Es können damit sowohl nichtzionistische
Juden als auch Konvertiten gemeint sein. Ihre Bewertung erfolgte vor allem
nach ihremVerhältnis zum jüdischnationalenSport. DerPräsident desHaupt-
verbandes fürKörpersport und spätereÖOC-PräsidentMartinHaudekundan-
dereKonvertitenwurdenbeispielsweisemassivals„israelitischeAssimilanten“
angegriffen.DemzionistischenSport sei vondieserSeite stetsdiegrößteAver-
sion entgegengebrachtworden. Schonals dieHakoahersteErfolge errang, sei
„die Assimilation […] unruhig“ geworden: „Sie fürchtete für ihre Positionen,
wolltenichtals ‚rassenverwandt‘kompromittiertwerdenundjüdischeFunktio-
näre oder solche jüdischer Abstammung taten damals alles, umdenAufstieg
der Hakoah zu hemmen.“164 So sei der „Täufling“ der vehementeste Gegner
des jüdischenSports: SchonbeiderAufnahmederHakoah indenFußballver-
bandhabe esnur eineGegenstimmegegeben, und „daßdieserHerr einDeut-
scher mosaischer Konfession war, ist nur zu selbstverständlich“.165 Es seien,
so die gewagteGleichsetzung, vor allem„AssimilantenundAntisemiten“, die
den Judenund Jüdinnen jegliche sportlicheEignungabsprechenwürden.166
162WienerMorgenzeitung (25.9. 1919) 5.
163 DieNeueWelt (27. 1. 1933) 10.
164 DieStimme. JüdischeZeitung (10.5. 1928) 14.
165 B. [vermutlichFritzBaar], JüdischerSportundAntisemitismus. In:WienerMorgenzeitung
(1.6. 1919) 8.
166WienerMorgenzeitung (2. 10. 1919) 5.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918