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224 8 Konflikte
und selbstbewusst verkaufen wollten. Was die Funktion des zionistischen
Sports, unddabei nicht zuletzt dieAufgabederHakoah sei,wurde spätestens
dann zumStreitthema,wenn es darumging,wie dieAufgabender Erziehung
einer starken jüdischen Jugendmitder zionistischenPropagandazuvereinba-
ren seien.MitBeginnderÄradesProfifußballswurdedieHakoahzunehmend
zwiespältigkommentiert:DieFreudeüberSiegeunddamitverbundeneWerbe-
erfolgewurdevonGrundsatzbeiträgenüberdenPrimatkörperlicherwiegeisti-
ger Jugendausbildungkontrastiert.
AnhandderDiskussionenumdieHakoah-FußballsektionwurdendieKon-
fliktlagenmanifest:AbdemSommer 1924standensichzweiPositionengegen-
über, oft sogar in einer Person. So erklärte Sektionsleiter Arthur Baar: „Ich
weiß, daßdie Theoretiker und Ideologen indenKaffeehäuserndenGedanken
eines jüdischen Berufsspielertums als demWesen der jüdischen Körpersport-
bewegungfremdbetrachten.Auchichsage,daßdieIdeedesMuskeljudentums
dieErscheinungdesProfessionalismus theoretischnichtverträgt.“Doch inder
Praxis sei die Teilnahme amProfibetrieb unersetzbar,wenn es gelte, denDa-
vidstern„inderganzenWelt“ repräsentierenzukönnen.188AngesichtsderHa-
koah-Tourneen indieUSA inden Jahren 1926und 1927 erklärte IgnazKörner:
Zwar sei die Hakoah „in die vorderste Reihe desWeltsportes gerückt“189 und
betreibenachhaltigeWerbung fürdie zionistische Idee.Dennochseiklar,dass
das Ziel des Klubs die Rückkehr zum Amateurismus im Sinne der „jüdisch-
nationalenWiedergeburt“ seinmüsse.190
Die großeKrise derHakoah-Fußballer nachder zweitenAmerika-Reise im
Jahr1927machtedieStandpunktenochdeutlicher: IgnazHermannKörnerver-
kündete: „Ich habe gefehlt!“ Denn er habe es verabsäumt, „für daswahre Ju-
dentum zu arbeiten“. „‚UmdenHerren Israeliten denNervenkitzel von 2mal
45Minuten zu bieten‘, bekannte Körner weiter, ‚habenwir etwas getan, was
derHakoah fremdbleibenmußte,weil der Professionalismus sie ihren Zielen
entfremdet hat, jenen der körperlichen Erziehung der jüdischen Jugend und
der Hebung ihres nationalen Bewusstseins‘.“191 Körners Nachfolger Löhner-
Beda konstatierte eine „Tragödie des Zusammenbruches“, um freilich kurze
Zeit später der Gründung einer eigenenFußballsektion zuzustimmen, die den
kostspieligen Profibetrieb weiterführte. Zu deren Präsidenten ernannte man
reich nach Palästina in der Zwischenkriegszeit, in: Stern, Eichinger (Hg.),Wien und die jüdi-
scheErfahrung, 71–98, hier 79.
188WienerMorgenzeitung (10.8. 1924) 14.
189WienerMorgenzeitung (11.6. 1926) 7.
190WienerMorgenzeitung (1. 7. 1926) 8.
191 DieNeueWelt (23.9. 1927) 8.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918