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Netzwerke aus dem Ersten Weltkrieg 239
denKriegweit überdauerten,29 zweitenswurdedieEntwicklungdesSports all-
gemeinwesentlichbefördert, lerntendochvieleMännerseineQualitäten, insbe-
sondere jenedes Fußballs, erst in diesemKontext kennenund schätzen,woll-
ten sie dann aber auch in Friedenszeiten nichtmehrmissen.30 Drittenswaren
es die durch denWeltkrieg ausgelösten politischen und sozialen Veränderun-
gen, die sportlicheMassenkulturenüberhaupt erst ermöglichtenundbeförder-
ten.
ImSeptember 1918schriebArthurBaar,derLeiterderHakoah-Fußballsek-
tion, in derHoffnung anHugoMeisl, er könne ihmhelfen,weiterhin inWien
als Journalist undnicht ander Front eingesetzt zuwerden:
„Sehr geehrterHerrHauptmann!Vor allemersuche ichmirwegenderBehelligungnicht
bösezusein,wenn ich IhnenneuerlichdieBittevorbringe, fürmich imPressequartier zu
intervenieren.HerrOberleutnantReichhatmirversprochen imFrmdbltt [sic]dienotwen-
digen Schritte zuübernehmen, dochkann er diese nur imEinvernehmenmit Ihnen vor-
nehmen. IchbraucheIhnenwohlnichtzuversichern,dasses fürmichdirektkatastrophal
wäre, vonWienwegzumüssen,dau.a.meinemühsamaufgebauteExistenz inTrümmern
gehen würde. Daher klammere ich mich an das von Ihnen gegebene Versprechen und
bitte SienochmalswegendiesermeinerBehelligungnicht ungehalten zu sein.“31
HugoMeisl schienBaarwohlwegendergemeinsamenfußballerischenInteres-
sen – vermutlich hatte Baar als Aktiver des Akademischen Sportklubs auch
gegen den Cricketer Meisl gespielt – der richtige Ansprechpartner für seine
Bitte. ZwischenBaarundMeisl entwickelte sicheineengeBeziehung:Gemein-
sam gaben sie bereits ab 1. Jänner 1919 dasNeueWiener Sportblatt heraus.32
ImMai 1921 zogsichMeisl zurück,Ende 1921 stelltedieZeitung ihrErscheinen
ein. GemeinsammitMeisl und einemweiterenKompagnonnamens Sigmund
Wertheimer33 betrieb Baar auch das Sporthaus Stadion. „Verbindungen zu
Kriegskameraden,abgesehenvondembereitsgenanntenArthurBaar“,scheint
HugoMeisl laut seinenBiografenaber „nicht sonderlichgepflegt zuhaben“.34
Möglicherweise, weil die anderen Kriegskameraden nichts mit Sport zu tun
hatten.
29 JürgenReulecke,Lebensentwürfe: IrritationundFormierung, In:NielsWerber,StefanKauf-
mann, LarsKoch (Hg.), ErsterWeltkrieg. KulturwissenschaftlichesHandbuch (Stuttgart 2014)
85–96.
30 MatthiasMarschik, Massen Mentalitäten Männlichkeit. Fußballkulturen in Wien (Weitra
2005) 57.
31WStLA, Bestand 3.5.113 – Nachlass Meisl | 1858–1939, Brief Arthur Baar an Hugo Meisl,
Wien 26. September 1918.
32 Hafer,Hafer,Meisl, 74.
33 Hafer,Hafer,Meisl, 82.
34 Hafer,Hafer,Meisl, 75.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918