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Jüdische Netzwerke? 247
krepanzwarMeisl mit Hakoahnern eng verbunden, etwamit dembereits er-
wähntenArthurBaar.UmgekehrtwarauchdiezionistischePresseMeislgegen-
über freundlich eingestellt, obwohl sie sonst an „Assimilanten“, „Israeliten“
und speziell an „Konvertiten“keingutesHaar ließ.56
AlsVerbandssekretärvermittelteMeisl zumJahreswechsel 1932/33dieWie-
nerVereineAustria,AdmiraundHakoah für einGastspiel inFrankreich. Zwar
spieltedieHakoah-Fußballsektion1930imWienerSportkeinebedeutendeRol-
le mehr, die Marke als jüdischer Verein war aber immer noch stark.57 Ignaz
Körner beschreibtMeisl als einen aufrechten und guten Juden, demder jüdi-
scheSport undbesondersdieHakoahviel zuverdankenhätten:
„Immer setzte er sich für die Hakoah und die kleineren jüdischen Vereine ein, brachte
zuMeetings der Hakoah-Schwimmer, Ringer und Leichtathleten internationale Grössen,
verschaffte sehr vielenHakoahnernTrainer Posten, gabüber denKlub aufAnfragenaus
demAuslandedieallerbestenAuskünfteundspartenichtmit LobundAnerkennung.Bei
keiner größeren Veranstaltung des jüdischen Klubs fehlte er und freute sich, wenn er
dazu Ehrenpreise verschaffen konnte. Als er inmitten seiner Tätigkeit jähe einemHerz-
schlage erlag, ehrte ihndieWiener Kultusgemeindeüber seines jahrzehntelangen guten
Freundes, KultusvorsteherDr. I. Körner (s.d.) Antragmit derBeisetzung in einemEhren-
grabebeim IV. Tor.“58
Spezifische jüdischeNetzwerkeentstandenandenUniversitäten,gekennzeich-
net vor allemdurchdendortherrschendenmassivenAntisemitismus.DieStu-
dentenverbindungenberuhten auf einer besonders strikten Trennung entlang
der („völkisch“ zu verstehenden) Grenze jüdisch versus nichtjüdisch. Im aka-
demischen Umfeld entstanden auch eigene jüdische Sportvereine. Schon die
Hakoahwar ja eineGründung jüdischer Studenten gewesenund führte lange
Zeit eine durchaus erfolgreiche Fechtsektion. Jüdische Studenten und Aka-
demiker erreichten auch bei österreichischen Meisterschaften einige Staats-
meistertitel.59ZionistischeBurschenschaftenversuchtensichnichtohneErfolg
gegendiedeutschnationalenantisemitischenOrganisationen zurWehr zu set-
zenund„derWelt zubeweisen,dassdie Juden imSaufen,SingenundBramar-
56WienerMorgenzeitung (31. 5. 1925) 13.
57 DievonMeislveranschlagtenAntrittskostenderHakoahfürdasGastspielwarenamhöchs-
ten, obwohl Admira regierenderMeisterwar und–wie die Austria – prominente Spieler des
„Wunderteams“ in ihrenReihenhatte, auf die imAngebot auch verwiesenwurde. Vgl.Hafer,
Hafer,Meisl, 129.
58 Pierre GildesgameMaccabiMuseum,Maccabi Austria Files, 4-01-50, IgnazHermannKör-
ner,Manuskript für einLexikon jüdischer Sportler, undatiert, 63.
59 Michael John, Ein kultureller Code? Antisemitismus im österreichischen Sport der Ersten
Republik. In:Brenner,Reuveni (Hg.), Emanzipation, 121–142, 127.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918