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Nach 1938: Netzwerke der Flucht 261
Beitrag in der Jubiläumsbroschüre zumzwanzigjährigen Jubiläumundwurde
1929 sogar zumEhrenmitglied ernannt.106 In der NS-Zeit brachte es Howorka
zumVerlagsleiter desKleinenVolksblattes.
AusgerechnetmitdemhochrangigenJuristenundNS-ParteigängerRichard
Eberstaller107 verband Meisl wohl eine besonders enge persönliche Freund-
schaft.HugoMeislsNetzwerkewirktenüberseinenTodhinaus,seine internati-
onalenKontakte sogarüberdasEndeÖsterreichs.AlsnachMeislsTodÜberle-
gungen über dessen Nachfolge angestellt werden, schien demMorgen eine
Funktionsteilung sinnvoll: Gerö und Eberstaller sollten die internationalen
Agendenübernehmen,derSekretärdesVerbands JosefLiegl stärkereingebun-
denwerden, für den Posten des Generalsekretärs warenWilly Meisl und der
Vorsitzende des Klassenausschusses Leo Schidrowitz im Gespräch. Die Nen-
nungWilly Meisls ist insofern interessant, weil dieser schon seit 1923 nicht
mehr inWien lebte.Ab1924publizierteer inDeutschland(vorallemimKicker,
in der BZ amMittag und in der Vossischen Zeitung). Dabei gelang ihm am
16. April 1933 ein bemerkenswerter Coup: „Vielleicht ist die Sportgeschichte
der Juden gerade heute von Interesse für weitere Sportkreise. [...] Besondere
Begabungscheinendie Juden fürdasFußballspiel zuhaben“,108 schriebWilly
Meisl in der Vossischen Zeitung, in einem etwa halbseitigen Artikel mit dem
Titel „Von ‚Danny‘ Mendoza bis Carr“, der die Sportgeschichte der Juden zu-
sammenfasst. Sätzewie „InderdeutschenTurnbewegung tatendie Judenvon
Anfang an in großer Zahl mit“, erscheinen für die Entstehungszeit geradezu
unglaublich. 1934 emigrierteMeisl nachEngland.109
Nach 1938:Netzwerkeder Flucht
MagdasKaffeehaus,besonders jenes inder„City“, jüdischkonnotiertgewesen
sein,wardiese jüdischeKodierung jedoch fürdieAusbildungvonNetzwerken
im Sportkontext nicht entscheidend. Diese Netzwerke waren in erster Linie
durch ihreMaskulinität und durch einen gewissen sozialen Rang charakteri-
siert,derdieTeilhabeaneinersolchenFormvonSoziallebenerlaubteundsich
durchBegrifflichkeitenwieModerne, DemokratisierungundNeueBürgerlich-
keitbeschreiben lässt.DieswarenMerkmale,dieaufdiemeistenSportfunktio-
106 Vgl. http://www.Rapidarchiv.at/chronik/jahreschronik_1929.html.
107 GerhardEberstaller,Nochgutdavongekommen.Kriegs-undNachkriegsjahre (Wien2016).
108WillyMeisl, Von„Danny“Mendozabis Carr. In:VossischeZeitung (18.4. 1933) 14.
109 Zu seiner Biografie vgl. ErikEggers,WillyMeisl – der „König der Sportjournalisten“. In:
Schulze-Marmeling (Hg.),Davidstern, 288–299.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918