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284 10 Nach dem „Anschluss“
klotzgasse 21 im 15. Wiener Gemeindebezirk, wo der ebenfalls eingewiesene
jüdische TurnvereinMakkabi XV seine Vereinsräumlichkeiten gehabt hatte.95
Den SportlerInnen wurde als Ersatz für die verschiedenen beschlagnahmten
KlubräumlichkeitenzudemeinaltesHakoah-Ringerlokal inderPraterstraße48
im2.WienerGemeindebezirk zugewiesen.96Dort fanden Jiu Jitsu, Sportlehrer-
kurse, Ringen, StemmenundGymnastik statt.97 Tennis konnte in der Oberen
Donaustraße in Wien Leopoldstadt gespielt werden,98 Tischtennis direkt im
Vereinsbüro. Spezialsportkurse und Akrobatik wurden schließlich in der Ta-
borstraße1angeboten.99ZunächstwaresdemMakkabiWienmöglich,Sprach-
undBerufsbildungskursesowieTurnzeitenregelmäßig imNS-gesteuerten Jüdi-
schenNachrichtenblatt zuannoncieren.100
ImDeutschlandderZwischenkriegszeitwarendiezweiwichtigstenOrgani-
sationen im jüdischenSportderSportbundSchilddesReichsbundes jüdischer
FrontsoldatenundderzionistischeMakkabi-Kreisgewesen.101Ab1934bildeten
sie sogardie vomReichsausschuss jüdischerSportverbändealsDachorganisa-
tionausschließlichanerkannten jüdischenSportorganisationen;alle jüdischen
Sportgruppen hatten sich einer von ihnen anzuschließen.102 Ihnen war die
Sportausübungzunächstweiterhingestattet.103Nach1933wurdendeutsche jü-
dische SportlerInnenundFunktionärewie etwa Schiedsrichter durch die Ein-
führungvonArierparagrafensukzessive–nachdenOlympischenSpielen1936
verschärft104 –, aus zahlreichen Sportvereinen ausgeschlossen.105 Im Herbst
95 Rosenkranz,Verfolgung155;Bericht 1933–1936,43;GeorgTraska,Herklotzgasse21–Verei-
nealsVermittler lokalerundüberregionalerGemeindebildung. In:Adunka,Lamprecht,Traska
(Hg.), JüdischesVereinswesen, 109–134, hier 117ff.
96 Torczyner,Tätigkeit, 132.Das JugendlokaldesMakkabiWien inderOberenDonaustraße43
musste 1939derHitlerjugendübergebenwerden.Duizend-Jensen, Gemeinden, 60.
97 Rosenkranz, Verfolgung 155;Duizend-Jensen, Gemeinden, 88f.
98 Torczyner, Tätigkeit, 129.
99 Exemplarisch: JüdischesNachrichtenblatt (AusgabeWien) (3.3. 1939) 8, (27.6. 1939) 8.
100 Vgl. exemplarisch: Jüdisches Nachrichtenblatt (AusgabeWien) (7. 2. 1939) 8. Zu diesem
Medium vgl. ReinerBurger, Von Goebbels Gnaden. „Jüdisches Nachrichtenblatt“ (1938–1943)
(Münster/Hamburg/London2001).
101 Vgl.ÖStA,AdR,ZNsZ,StikoWien,Karton568,31-N2,BestimmungendesReichsausschus-
ses jüdischer Sportverbände nach dem Stand vom 1.8. 1937, Berlin; HenryWahlig, Sport im
Abseits. DieGeschichte der jüdischenSportbewegung imnationalsozialistischenDeutschland
(Göttingen 2015) 144ff.
102Walk, Sonderrecht, IRz419,451; vgl.dieBestimmungendesReichsausschusses jüdischer
Sportverbände.
103 Vgl. exemplarischWalk, Sonderrecht, II Rz436.
104 Vgl. zudenSchiedsrichternetwaWalk, Sonderrecht, I Rz87oder IRz142, zurOlympiade
IRz581, 626, II Rz63, 176 sowieWahlig, Abseits, 163ff.
105 Hochsteger, Studie, 23ff.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918