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308 10 Nach dem „Anschluss“
demEinmarschHitlers gewesen sein dürfte, der Fussballer Karl Sesta auch imVerband
Wirbel gemachthattebzw. vorgebrachthat, dass ihmeinBetragvon2.500S,dener vom
Verein auf seinEinlagebuchversprochenerhaltenhatte, fehle […]. AuchHaldenwanger-
zähltemir,das[s] SestaLangwegendesFehlensder 2.500S imEinlagebuchbeschuldige,
da dieser das Einlagebuch inVerwahrunghatte. In diesemSinndürfte alsoHaldenwang
zur Verhaftung Langs durch die Beschuldigung oder Irreführung Sestas mitveranlasst
worden sein, und da er ein grosser Judenfresser war, die Verhaftung Langs daraufhin
ohneweitere Untersuchung veranlasst hat. Einige Tage darauf stellte sich dann heraus,
dass Lang unschuldig sei, worauf er enthaftet wurde, offenbar war der Betrag auf das
Buchnicht erlegtworden.“207
AlsEntlastungszeuge fürHaldenwangtrat imzweitenVerfahrenGustavBauer,
der ehemaligeRechnungsprüfer desÖFBauf, der lakonischdie beklemmende
„Vorführung“Langsbei derBuchprüfung schilderte:
„ZurÜberprüfungwurdemireinFunktionärder ‚Austria‘, glaublichderehemaligeSekre-
tärundsoweit ichmicherinnernglaube, namensLang, ausderHaft vorgeführt.Wiedas
zustande kamweiss ich nicht, das war bereits veranlasst worden. Ich fragte Lang über
verschiedeneUnklarheiten inderKassagebarungundmachte ihndaraufaufmerksamdie
Wahrheit zu sagen,da ichvomVerbandmitderÜberprüfungderKassengebarungbeauf-
tragt sei. Dieser Lang erklärte mir, er selbst habe keine Ursache Unregelmässigkeiten
(oder Schweinereien, sagte er) zu decken, da er selbst sich gegen keine Vereinsbestim-
mungenodergesetzlicheVorschriftenbei seinerTätigkeit vergangenhabe.Ermachteauf
micheinengutenEindruck.“208
LangsSchwagerUlbrich erklärte:
„Lang hatte Sparkassebücher von dem [sic] Fussballer Sesta, Jerusalemund Zöhrer wie
ich glaube in Verwahrung und hatte infolge seiner schnellen Verhaftung dieselben gar-
nichtherausgebenkönnen,waser jetztnachholte.Dasich inderUntersuchungnichtdas
Geringste gegen Lang ergab, wurde er von den Kriminalbeamten an Ort und Stelle auf
freienFuss gesetzt,womit auchHaldenwangeinverstandenwar.“209
DerGoldpokal
Nach demManager Lang geriet nun Vereinspräsident Emanuel Schwarz ins
Visier derneuenVereinsführung.DazuHaldenwang:
207WStLA,Volksgericht,A1-BgVr-Strafakten:Vg 11/55,VerfahrenVG1gVr 2613/46, Zeugen-
vernehmungZiegler 1.7. 1946.
208WStLA,Volksgericht,A1-BgVr-Strafakten:Vg11/55,VerfahrenVG8eVr11/55,Zeugenver-
nehmung2.9. 1954.
209 ZeugenvernehmungUlbrich 1.7. 1946.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918