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322 11 Resümee
Winterspielen 1936 inBanskáBystrica,wodas österreichische Teamaus Spie-
lern von Altmann und des WAC gebildet wurde.14 Bernhard Altmann kehrte
nach der Annexion Österreichs von einer Geschäftsreise aus Paris nichtmehr
nach Wien zurück. Seine Firma wurde „arisiert“, das Vermögen auf
600.000Reichsmarkgeschätzt.15Als er versuchte,Geldvon seinenLieferanten
nachParis überweisen zu lassen,wurde seinBruder Fritz verhaftet und indas
KZ Dachau gebracht. „Die Nazis sind dann zu meinem Schwager: Wenn Sie
Ihren Bruder wiedersehenwollen, unterschreiben Sie, dass die Schecks nach
Wien gehen“, erzählte Fritz Altmanns Ehefrau Maria.16 Er wurde tatsächlich
freigelassen und das Ehepaar konnte fliehen. Bernhard Altmann emigrierte
nachGroßbritannienundspäter indieUSA,woerabermalseinehöchst erfolg-
reicheFirmaaufbaute.ErwurdeamerikanischerStaatsbürger,kehrteaberhäu-
fignachÖsterreich zurückundbautedieProduktion inWienwieder auf.17
(3)SportkonnteaberauchdenzentralenLebensinhaltbilden,wiedieBio-
grafie des Hakoah-Präsidenten Ignaz Hermann Körner zeigt. Bei ihm kommt
allerdings eine spezifischeAufladung hinzu, Sportwar Teil einer politischen,
konkret zionistischen, Agenda. Körner widmete, darin sind sich zeitgenössi-
scheundretrospektiveQuellenweitgehendeinig, seinersport(-politischen)Ar-
beit einen großenTeil seines Lebens. Eine genauere Betrachtung vonKörners
Biografie und seiner Interaktion innerhalb desVereinswie in derVerbandsar-
beit zeigt, dassdabei zahlreicheBrücheundKonfliktehervortraten.Sowiedie
Hakoah selbstwar auchKörnersKonzeption eines zionistischenSporttreibens
zerrissen zwischen den Idealen einer körperlichen Ausbildung junger Juden
undderWerbung fürdenZionismus, also zwischenBreiten-undSpitzensport,
zwischen eigenen Anliegen und Öffentlichkeitswirkung. Zugespitzt zeigt das
einBeitrag inder zionistischenZeitungDieNeueWelt im Jahr 1927:
„‚Ich habe aufgehört, für das wahre Judentum zu arbeiten‘, sagte Dr. Körner, ‚als ich
die Präsidentenstelle bei derHakoahübernommenhabe.‘ ‚UmdenHerren Israelitenden
Nervenkitzelvon2mal45Minutenzubieten‘ [...] habenwiretwasgetan,wasderHakoah
fremd bleibenmußte, weil der Professionalismus sie ihren Zielen entfremdet hat, jenen
der körperlichen Erziehung der jüdischen Jugend und der Hebung ihres nationalen Be-
wußtseins.“18
14 SieheauchKapitel 4.
15 ÖStA/AdR E-uReang VVSt VA-Akt, 63.749, Bernhard Altmann, Brief Finanzamt Innere
Stadt-Ost, Reichsfluchtstelle, Aktenzeichen Altmann, Bernhard u. Nelle Kontonummer 3293.
AndieVermögensverkehrsstelle (10. 10. 1939).
16 Der Standard (31.3. 2008), online unter http://derstandard.at/2347659/Altmann-Nie-
kommen-die-Nazis-So-verblendet-war-man (5.Dezember 2017).
17 Priller, Arisierungen, 84.
18 DieNeueWelt (23.9. 1927) 8.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Title
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Subtitle
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Authors
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 376
- Categories
- Geschichte Nach 1918