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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Volume 3
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Page - 206 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Volume 3

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206 dem Sinne der Zeit, deren Vorzüge und Schwächen sich in Josefs Wesen spiegeln. Anders lagen die Dinge in Ungarn nnd in den Niederlanden, wo die alten Rechte noch bestanden und wo sich alles in die Frage zuspitzte, ob man die freie Form des politischen Daseins höher anschlage oder die Verbesserung der materiellen Wohlfahrt durch Reformen, die an sich verfassungswidrig, doch das Beste des Landes bezweckten. Darum hat deuu auch das josefinische System gerade in diesen Ländern die erste uud empfindlichste Niederlage erlitten. Aber selbst in jenen Erblanden, welche nun schou seit geraumer Zeit absolutistisch regiert wurden, hatten sich allmälig die verschiedenartigsten Elemente und Interesse» zu einer Opposition geeinigt, welche kurz nach Josefs Tode wenigstens einen Theil seiner Reformen zum Falle brachte. „Warum wird Josef von seinem Volke nicht geliebt?" So lautet die Frage, welche sich der Verfasser einer gleichzeitigen Brochure aufwirft und die wir uus noch heute verwundert stellen, wenn wir an sie den Maßstab unserer heutigen Anschauungen legen. In ihr birgt sich die ganze Tragik seines Lebens, die ihre Erklärung in jenem verhängnißvolleu Zauberkreise findet, der den Kaiser von seinen Völkern schied. Josef war eine revolutionäre Natur, die nur dann Erfolge verzeichnen konnte, wenn und insofern« sie für den unerschöpflichen Gähruugsstofs, den sie in das Staatsleben warf, einen empfänglichen Boden vorfand. Dies war trotz mancher vorausgegangener Anregungen von außen her nicht der Fall. Nur iu eiueui beschränkte» Kreise gebildeter Männer fanden seine Ideen Anklang. Selbst das Räderwerk der Staatsmaschine, deren eomplicirten Mechanismus eine Feder in Bewegung setzte, versagte ihm gelegentlich den Dienst, das Volk aber wurde durch Josefs Neueruugeu überrascht; er fand keine tiefere Theilnahme, kein Verständniß für eine Aufgabe, die er durch Befehle lösen wollte uud die doch uur das Volk durch Selbstthätigkeit lösen kann. Unbegrissen standen sich Josef und seine Unter- thanen gegenüber. „Sie hatten einen Adler", sagte die Kaiserin Katharina, „aber sie haben ihn nicht erkannt." In diesem Sinne war Josef, der Sohn seiner Zeit, dieser doch voran- geeilt. Es ist nicht richtig, wenn man in Josef blos den Nachahmer fremder Ideen erblicken will. Wohl hatte er sich die Doctrinen des Zeitalters zu eigen geinacht, aber in seiner scharf abgegrenzten Persönlichkeit nahmen sie alsbald ein individuelles Gepräge an und entwickelten sich zu Consequeuzeu, welche erst eiue spätere Zukunft zur Reife briugeu sollte. Josef starb mit einem großen Widerrufe, aber er hatte nicht umsonst gelebt. Unter seinen wuchtigen Schlägeu ging eine alte Welt in Trümmer; die Gußform sauk uud das moderne Österreich blinkte aus der zerbrochenen Hülle hervor. Einzelne seiner Reformen blieben bestehe», an andere hat die Neugestaltung Österreichs iu uusereu Tageu angeknüpft. Auch blieb ihn: die wen» auch erst spätere Anerkennung seines Wirkens nicht versagt. In der Masse des Volkes, namentlich im Banernstande, der ihm so Vieles zu verdanken hatte, verdichtete sich die Sehnsucht nach dem geliebten Kaiser zu der Sage, daß er nicht gestorben
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Volume 3
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil
Volume
3
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1887
Language
German
License
PD
Size
15.64 x 22.39 cm
Pages
278
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
Kronprinzenwerk deutsch

Table of contents

  1. Geschichtliche Übersicht der österreichisch-ungarischen Monarchie 1
    1. Ethnographische Einleitung 1
    2. Geschichtliche Übersicht 33
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild