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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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bungskoeffizienten geworden. Erzherzog Karl Franz Josef und ich hatten jenes eigenartige Dokument als „gesehen" zu unterfertigen. Eine praktische Bedeutung nahm es niemals. Es ist begreiflich, daß sich die Presse auf das eingehendste mit dem Ministerwechsel beschäftigte. Noch eingehender tat sie's mit meiner Person, der sie als ,,Mann des Erzherzogs" wenig Wohlwollen schenkte. Namentlich die Ungarn führten eine beredte Sprache. Ich fuhr nach Sarajewo, um mich vom Korps, von Stadt, Land und Leuten zu verabschieden. Der Empfang da unten war der feier- lichste, und bei der folgenden Tages vor sich gehenden Abschieds- vorstellung fehlte nicht eine der größern Korporationen. Es war Formsache, Ausfluß des Gebräuchlichen, eine Ehrenbezeugung, die man dem Vertrauensmann des Thronfolgers leistete. Nichtsdesto- weniger war doch vielHerzlichkeit dabei, und es wurde mirunendlich schwer, zu gehen, meinen neuenWeg anzutreten, vondem ich wußte, daß er ein Dornenweg sein würde. Am Abend vor meiner Wegfahrt gab's einen glänzenden militäri- schen Fackelzug, dem ein Empfang bei mir folgte, wobei Potiorek gehaltvolle Worte sprach. Am nächsten Tag bei ihm zu Gast, ge- lobten wir uns still einverständlich gegenseitige Unterstützung, was wir auch getreulich hielten. Die Abreise gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der in Flaggenschmuck prangenden Stadt. Ich war kein Freund rau- schender Manifestationen, doch da unten waren sie vielleicht noch angebracht. Anderseits tat meinem alten Soldatenherzen die mili- tärische Inszenierung wohl. Dies wußte man und veranlaßte daher ein wenig mehr, als das Reglement vorschrieb. Und als der Zug unter den Klängen der Volkshymne den Bahnhof verließ und von den Wer- ken die Geschütze ihre Blitze in das Abenddunkel sandten, der Ka- nonendonner ins Coupe schallte, war mir's weh und froh zugleich, und der Vorhang, der sich durch den Einbruch der Nacht herunter- senkte, schloßauchdenschönstenundliebstenAktmeinesLebensab. — Zur Schilderung meiner Tätigkeit als Kriegsminister übergehend, sei zum Verständnis für jene Leser, die der Doppelmonarchie nicht angehört haben, erwähnt, daß nach deren staatsrechtlichen Einrich- tungen jeder der beiden Staaten eine volle und gänzlich selbständige Regierung besaß, also Mininister-Präsidenten und eine Anzahl von Ressort-Ministern, darunter auch je einen Landes-Verteidigungs- Minister, dem die (österreichische resp. ungarische) Landwehr unter- stand, der aber auch für alle auf die Heeresaufbringung bezügHchen Gesetze in den betreffenden Vertretungskörpern parlamentarisch 153
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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