Page - 162 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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denken und Kopfschütteln. Besonders gegen die Schaffung einer
höheren Unteroffizierscharge, „Stabsfeldwebel" und Gleichgestellte,
machte sich ein völligerWiderstand geltend, der eigentlichvomThron-
folger, beziehungsweise dessen Militärkanzlei, ausging. Doch justum
die Kreierung dieses Postens, der zweifelsohne sehr begehrt werden
mußte und sogar eine Offiziersstelle bei den Unterabteilungen ver-
fügbar machte, war's mir in erster I^inie zu ttm. Ich ließ nicht locker,
kämpfte ein ganzes Jahr und erlebte die Genugtuung, bei meinem
letzten Vortrag— knapp vor der Demission— die vollständige Fina-
lisierung der Aktion dem Kaiser melden zu können.
Der Erfolg dieser Aktion war ein durchschlagender. Schonim ersten
Jahr des Bestehens der Verordnung, die allerdings schon die Unter-
schrift meines, stets vom Glück gehobenen Nachfolgers trug, belief
sich die Zahl derjenigen, die sich freiwillig zum Weiterdienen ge-
meldet, auf einige Tausend. Im Weltkrieg bewährten sich die Stabs-
unteroffiziere auf das glänzendste. Nahezu ohne Ausnahme mit der
goldenen Tapferkeitsmedaille dekoriert, erwiesen sie sich als vorzüg-
liche Zugs-, ab und zu sogar Kompanieführer. Leider fanden zahl-
lose unter ihnen durch ihr militärisches Pflichtgefühl den Tod oder
erlitten schwere Verwundungen.
Einige Tage nach dem ersten Referat fuhr ich nach Wiener-Neu-
stadt, wo mein Akademiejahrgang das 40jährige Ausmusterungs-
jubiläum feierte. Von den 90 jungen Männern, die vor vier Dezennien
ausdemHause in dieWeltgestürmt waren, standennoch60imLeben.
Zwei Minister— Georgiundich—, derChef des Generalstabes— Con-
rad—
, und einArmeeinspektor— Schödler— ließen erkennen, daß
unserm Jahrgang das Glück hold gewesen, insoweit es durch Er-
klimmen der militärischen Hierarchie repräsentiert wird. Der einstige
Jahrgangserste aber, der natürlich den Vorsitz führte, war als Major
aus dem aktiven Dienst getreten.
Ich reiste nach Budapest, um mich der dortigen Regierung vor-
zustellen. Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervary, den ich von
früher kannte, kam mir in der ihm eigenen herzlich scheinenden Art
entgegen. Selbstverständlich kehrte auch ich meine liebenswürdigste
Seite heraus, ließ aber gleich durchschimmern, daß der materielle Zu-
stand der Armee eine besondere Beachtung verdiene, weil er unge-
nügend und rückständig sei. Auch den alten, einst vielgenannten
General Baron Fejervary suchte ich auf. Er war auf seine Landsleute
nicht gut zu sprechen und sah der Zukunft sorgenvoll entgegen, was
zu seiner heiteren Lebensauffassung im Widerspruch stand. Dann
ging ich ins Parlament, der Boden meiner künftigen Kämpfe. Dabei
geleiteten mich einige Abgeordnete in charmanter Weise, allen voran
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918