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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Page - 164 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

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Schon vor Übernahme des Portefeuilles hatten meine Beobach- tungen zu den schwerstenBesorgnissen überdenBestandund dieAus- rüstung der Artillerie geführt. Als ich den wirklichenStand der Dinge genauer kennen lernte, war ich geradezu entsetzt. Ich behaupte mit aller Bestimmtheit, daß, seitdem die Armee existierte, die Ar- tillerie, die einst so berühmte österreichische Artillerie, noch nie in einer relativ so ungünstigen und minderwertigen Verfassung war, wie im Herbst 1911! Im vollenBewußtsein, daß ich damit einen Vor- wurf gegen all jene erhebe, die diesen Zustand belassen und nicht mit allen Mitteln bekämpft hatten, kann ich dennoch davon nichts zurücknehmen, kann nur darauf hinweisen, daß trotz der umfangreichen Vermehrung, die ich im I^aufe meiner kurzen Mini- stertätigkeit selbstverantwortlich vornahm, die Artillerie im ersten TeÜ des Krieges der russischen und serbischen Artillerie gegenüber einfach inferior war. Zur Illustration einige Daten: An Feldartillerie besaßen wir per Infanteriedivision zur Not 36 Geschütze gegen 48 bei den Russen, 54 bei den Serben und 72 bei den Deutschen. Von diesen 36 Ge- schützen waren nur 24 moderne Feldkanonen mit Rohrrücklauf und Schutzschild. Doch waren auch diese modernen Kanonen jenen der anderen Staaten in ballistischer Hinsicht, namentlich bezüglich der Portee unterlegeni). Die 12 Feldhaubitzen wiesen aber— bei ziem- lich günstigen ballistischen Verhältnissen— eine ganz antiquierte Konstruktion auf, da sie weder eine Schnellfeuervorrichtimg noch Schutzschüde hatten. Das istum so verwunderlicher, da sie imJahre 1901 eingestellt wurden, also zu einer Zeit, in der bei den andern Armeen die Einführung von Schnellfeuergeschützen zum mindesten bereits im Gange war. An schwerer Feldartillerie waren (1911) schwere Haubitzdivisionen (per Korps eine) teils aufgestellt, teils en cadre. Doch auch diese Divisionen führten altes, aus dem Jahre 1880 stammendes Material, das weder mit Schutzschüden noch mit einer Schnellfeuerv^orrichtung versehen war. An Gebirgsartillerie gab's eine bescheidene Anzahl (10) Gebirgsartillerieregimenter zu 6 Batterien ä 4 Geschützen, nach drei verschiedenen Modellen. Nur die Gebirgshaubitzen repräsen- tierten ein nach modernen Prinzipien konstruiertes Geschütz. An Belagerungsartillerie besaß die Armee 24 cm-Mörser mit Auto- zug und 12 cm-Kanonen, die im allgemeinen wohl leistungsfähig *) Ursache war das starre Festhalten an der Geschützbronze, die nicht jene brisanten Triebmittel vertrug, die zur Erreichung einer größeren Portee nötig gewesen wären. Dem lagen wieder— poütische Motive zugrunde, von denen noch gesprochen werden wird. 164
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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