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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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bestimmt waren. Damit standen die Forderungen des Generalstabes in diametralem Gegensatz. Dieser berief sich hierbei auf die vom italienischen Parlament bereits bewilligte Quote von 30 Millionen Lire, die innerhalb von zwei Jahren angesprochen werden konnte und tatsächlich nur für Befestigungen an der österreichischen Grenze zur Verwendung gelangte. Ich entschloß mich, diese Verhältnisse an Ort und Stelle zu stu- dieren, und bereiste, auch einem Wunsche des Kaisers entsprechend, in forcierten Touren die Tiroler Fronten. Der Anblick belehrte mich, daß unsere Fortsbauten wohl recht gut und nach modernen Prinzipien angelegt vorwärts schritten, er belehrte mich aber auch, daß die italienischen Befestigungen baulich weiter fortgeschritten und weit zahlreicher und stärker armiert waren als die unseren. Nach vielfachem Überlegen kam ich zu dem Entschluß, dem Bau- und Schöpfungseifer des Generalstabes doch nur in engen Grenzen nachzukommen. Hierzu veranlaßte mich die Überzeugung, daß es mir ganz unmöglich sein würde, zu den geplanten Budgetüberschrei- timgen noch neue hinzuzufügen. Erstere bezogen sich auf die Schaf- fung lebender Kampfmittel, namentlich artilleristischer Natur, be- saßen daher unter allen Umständen einen positiven Wert. Zu diesem Zweck den Pakt meines Vorgängers zu lösen, selbst zu brechen, hielt ich mit meinem Ge\\issen, vor allem mit meiner Verantwortlichkeit noch vereinbar. Nicht so, wenn es sichum Beschaffung toter Kampf- mittel handelte, deren Wert nur ein relativer war und die noch den Nachteil mit sich gebracht hätten, daß sie im Anfangsstadium des Krieges einen beträchtlichen Teil der mobilen Kampfkräfte gefesselt haben würden. Dafür plädierte ich kräftigst für umfangreiche Kom- munikationsbauten und besonders für die baldigste Ausgestaltung der Aufmarschbahnlinien. Bezüglich der Truppenunterkünfte und sonstiger Meliorationen wurde alles Erreichbare bewilligt, und in dieser Hinsicht fand ich beim Kommandanten des III. Korps, dem leider viel zu früh ver- storbenen Feldzeugmeister Baron Leithner, einen ebenso rührigen wie geschickten Interpreten meiner Wünsche und Ideen. Es ist begreiflich, daß ich mich gelegentlich dieser Reise auch über all die sonstigen militärischenund politischen Verhältnisse eingehendst informierte. Was ich hierbei sah, war großenteils nicht erfreulich. Seitens der Behörden fand ich gerade noch zur Not jenes Entgegen- kommen, das sie einem der höchsten staatlichen Funktionäre schul- deten. Seitens der Bevölkerung aber, insoweit sie der Intelligenz oder Halbintelligenz angehörte, einekaum verhüllte Animosität, dafür aber überall Anzeichen einer rührigen irredentistischen Wühlarbeit. 167
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
Geschichte Nach 1918
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