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den Standpunkt der Negation verharrten. Graf Khuen leistete sich
dabei dem Sinne nach folgende Äußerung: „Aus den Darlegungen
Euer Exzellenz haben wir entnommen, daß es sich um Geschütze
handle, die vornehmlich in einem Krieg gegen Italien zurVerwendung
kommen würden. Da wir aber nicht wollen, daß es jemals zu solchem
Kriege komme, ist dies für uns ein Grund mehr, diese Waffe zu ver-
werfen. Und was dieAeronautik betrifft, würden Exzellenzambesten
tun, sich an die Öffentlichkeit zu wenden, in der sich ohnedies An-
sätze zur Schaffung einer freiwilligen I^uftflotte zeigen. Gibt es doch
eine Menge unternehmungslustiger Sporthelden, denen es ein Ver-
gnügen macht, sich den Hals zu brechen!" — So gesprochen im
Dezember des Jahres igii!
Es fällt mir nicht bei, mit dieser Darlegung den Grafen Khuen in
ein schiefes Licht zu stellen. Trotz unserer durch die Verhältnisse
aufgezwungenen Gegnerschaft war er mir eine sympathische Persön-
lichkeit. Er erwarb sich auch zweifelsohne um I^and und D5niastie
große Verdienste. Diese sachliche Schilderung soll nur zeigen, auf
welche Abwege poHtischer Doktrinarismus führen kann, besonders
wenn sich nationale und persönliche Voreingenommenheit dazu-
gesellt.
Nach allem wurde es mir sonnenklar, daß ich auf normalem Wege
weder zu den 30,5 cm-Mörsem, noch zu einem Flugpark kommen
würde, um so weniger, als sich auch Aehrenthal zu meiner Über-
raschung in seinemSchlußwort an die Seite derVerneinenden stellte.
In dieser Pflichtenkollision zwischen meiner Verantwortung für die
Armee und der aus den Verfassungsgesetzen resultierenden Pflichten
und Beschränkung wollte ich lieber letztere als erstere verletzen,
zumal ja das Risiko hierfür nur von mir persönlich zu tragen war,
hingegen die Folgen imgenügender Schlagfertigkeit unter Umständen
den ganzen Staat in schwerster Weise belasten mußten. Und so
beschloß ich, auf meine persönliche Verantwortung zwölf
Batterien 30,5 cm-Mörser zu je zwei Geschützen samt der dazu-
gehörigen Ausrüstung und Mimition (im Betrag von 30 Millionen)
zu bestellen. (Der bezügliche Auftrag an die Firma Skoda wurde
am 22. Dezember 1911 von mir persönlich gefertigt.) Gleichzeitig
verwendete ich eine Million zur Beschaffung eines Flugzeugparkes
und unterstützte das in Österreich bereits konstituierte Komitee
zur Schaffung einer freiwilligen I^uftflotte mit meinem ganzen
Einflüsse.
Dem Kaiser mußte ich es melden. Er nahm diese Meldtmg schwei-
gend entgegen. In diesem Moment war es zweifelsohne die richtigste
Antwort.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918