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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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ich nichts als ein leises Brummen der mälmeschüttelnden Löwen, und selbst Apponyi lebte sich restlos in dem harmlosen Witz aus, daß es ,,zu bedauern sei, auf der Ministerbank neben den zwd neuen Männern nicht noch einen dritten neuen Mann zu sehen". Um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, führte ich die Delegierten auf das Flugfeld bei Wiener-Neustadt und zeigte, was zu zeigen war. Der Ausflug befriedigte mich sehr, da hierbei den Delegierten das Verständnis für das bei uns noch in den Windeln gelegene neueste Kriegsinstrument einigermaßen vermittelt wurde. Anläßlich dieser Exkursion widmeten sich mir die beiden Grafen Latour und Clam-Martinic auf das eingehendste, nachdem sie sich schon während der ersten Vorsession mit meiner Person beschäftigt hatten. Die intimen Beziehungen der beiden Grafen zum Thronfolger kennend, wußte ich sehr wohl, daß dies einer Prüfung a\if Herz und Nieren gleichbedeutend sei. Auch der greise Erzherzog Rainer wohnte der Flugproduktion bei. Liebenswürdig wie stets, tat er folgenden charakteristischen Ausspruch: „Nicht wahr, Exzellenz, wenn man zu so hoher Stellung kommt, wie Sie, da lernt man die Menschen erst so rechtkennen, schätzenimd—lieben!" Mitüberzeugtem Kopf- nicken stimmte ich bei. Und jetzt, nach Jahren reichlicher Erfahrung, möchte ich niederknien vor so viel Lebensweisheit und vor so rich- tiger Wertung der meisten Menschen! Auch in der österreichischen Delegation wurde dem ]VIinister des Äußern Weihrauch gestreut. Wohl auch hier im gewollten Gegen- satz zum Kriegsminister, der mit seinen steten Warnungssignalen die Freude imd Gemütlichkeit verdarb. Es sei noch erwähnt, daß der ukrainische Delegierte Smal Stocki eine sehr beachtenswerte Rede hielt, in der er das russophile, hochverräterische Treiben seitens der Markowgruppe scharf charakterisierte. Doch auch dieser unbe- queme Warner wurde nicht gehört. Der oberste Kriegsherr nahm meinen Bericht ohne irgendwelche Bemerkung zur Kenntnis. Vom Thronfolger aber erhielt ich wieder ein in herzlichsten Worten abgefaßtes Telegramm. Am Abschluß der Session fand noch ein bis in die Morgenstunden dauernder ^Ministerrat statt, wobei auf Wimsch des Kaisers die bos- nisch-herzegowdnische Bahnfrage gelöst werden sollte, die bei allen bisherigen Konferenzen an den Gegensätzen der österreichischenund ungarischen Interessen, sowie am zähen politischen Egoismus der Ungarn gescheitert war. Gleichzeitig sollte auch die Frage der dal- matinischen vmd hochkroatischen — (Likabahn) — Linie geregelt werden, was die Sache sehr komplizierte. Mein Leitmotiv in dieser Angelegenheit ging dahin, möglichst rasch leistungsfähige Bahnen 189
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang